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Reiki als eine Interventionsmöglichkeit bei
hyperaktiven Kindern und ihren Familien

Diplomarbeit von Verena Schäfers

Fortsetzung

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2.2. Der Ursprung des Reiki

Bei der Theorie über den Ursprung dieser Heilmethode bestehen noch einige Unklarheiten. Ich möchte mich jedoch auf die Darstellung der meistverbreiteten Theorie beschränken, da sie zur Zeit bei den meisten Reikiausbildungen in dieser Form gelehrt wird. Es existieren zwar neuere Nachforschungsergebnisse, doch zeigen diese große Abweichungen untereinander auf, so dass auf sie noch nicht sicher zurückgegriffen werden kann.

Reiki wurde von dem Japaner Dr. Mikao Usui (1865-1926) gegen Ende des 19. Jahrhunderts wiederentdeckt. Um ihn herum sind viele Legenden entstanden, da seine Lebensgeschichte zu früheren Zeitpunkten nicht schriftlich festgehalten, sondern erst später durch mündliche Überlieferungen rekonstruiert worden ist. Man sagt, er sei Theologieprofessor an der Universität in Kyoto gewesen, und die Frage seiner Studenten, wie Jesus und Buddha mit den Händen heilen konnten, habe ihn so bewegt, dass er sich auf die Suche nach der Antwort begab. Er wollte den Schlüssel dafür entdecken, wie Energie zu Heilungszwecken aktiviert und gelenkt werden kann. Dafür reiste er mehrere Jahre zu verschiedenen Orten Japans (unter anderem soll er buddhistische Klöster besucht haben). Später bereiste er auch Amerika. Er lernte viele neue Sachgebiete kennen, zu denen auch die Sutren gehörten [62]. In diesen Schriften fand er nach längeren Studien Hinweise, wie und mit welchen Methoden und Symbolen geheilt werden kann. Die praktische Anwendung dieses theoretischen Heilungswissens konnte er sich dadurch jedoch nicht erklären. Um zu erfahren, wie er dieses Wissen zu Heilungszwecken einsetzen könnte, zog sich Dr. Usui auf den heiligen Berg Kurama (es existieren verschiedene Schreibweisen dieses Namens, Anm. der Verfasserin) zurück, auf dem er 21 Tage fastete und meditierte. Die Legende besagt, dass er am letzten Tag „Satori“ - eine erleuchtende Erfahrung - erlebte. Dabei soll ein großes, starkes, geistiges Licht in sein Scheitelchakra eingedrungen sein. „Dieses Licht war die Reiki-Energie, die in Form einer Einstimmung zu ihm kam.“ [63]

Nach diesem Erlebnis strömte die universelle Lebensenergie aus seinen Händen, und er konnte sie an andere Menschen weitergeben. Danach soll er einige Jahre in dem Bettlerviertel von Kyoto mit Reiki gearbeitet haben. Später reiste er durch ganz Japan, um anderen Menschen Reiki zu lehren.

Durch einige seiner Nachfolger und Nachfolgerinnen verbreitete sich das von Dr. Usui entwickelte System der natürlichen Heilung auch in der westlichen Welt. Mittlerweile haben sich über dreißig verschiedene Anschauungen bzw. Konzeptionen über Reiki entwickelt (z.B. The Radiance Technique, japanisches Satya-Reiki) [64]. Ich beziehe mich in meinen weiteren Darstellungen auf die Form des „Usui-Reiki“, welche ich erlernt habe.

2.3. Ausbildungen

Zumeist wird das Reiki-Wissen in Wochenendseminaren von einem Lehrer an die Kursteilnehmer weitergegeben. Dabei kann die Zahl der Teilnehmer je nach Konzept des Lehrers von ein bis zwanzig Personen schwanken.

Nach dem traditionellen System wird Reiki in drei verschiedene Stufen unterteilt. Es gibt allerdings Reiki-Meister/Lehrer, die bis zu sieben Stufen bzw. Grade anbieten. Aber ursprünglich existieren nur zwei aufeinander aufbauende Reiki-Grade sowie ein Meister- und Lehrergrad. Diese drei Seminare sind jeweils eine in sich abgeschlossene Einheit. Der erste Grad behandelt die körperliche und emotionale Ebene des Menschen. Mit dem zweiten Grad erlernt man weitere Techniken der Energieaktivierung, die mehr den mentalen und geistigen Bereich betreffen. Der dritte Grad unterteilt sich in Lehrer- und Meistergrad, wobei normalerweise beide zusammenhängend absolviert werden. In diesem letzten Grad steht das Thema im Vordergrund, selber Reiki-Lehrer zu werden. Alle drei Ausbildungsstufen erweitern das Bewusstsein und heben die eigene Energiefrequenz jeweils um ein Vielfaches an. Zusätzlich wird durch die Reiki-Seminare das eigene innere Wachstum beschleunigt und unterstützt, da persönliche Lernaufgaben in Gang gebracht werden.

An dieser Stelle soll der Inhalt eines ersten Grad-Seminars näher erläutert werden, da dies sozusagen den „Grundkurs“ für jeden Reikilernenden darstellt. Die Lerninhalte erstrecken sich über die Geschichte und den Ursprung des Reiki [65], es werden die Chakrenlehre gestreift sowie einige Fakten der menschlichen Anatomie angesprochen (z. B. das endokrine Drüsensystem). Einen großen Teil nimmt das Erklären verschiedener Handpositionen und ihrer Wirkung auf körperlicher, seelischer und mentaler Ebene ein. Die Selbst- und Fremdbehandlung werden erklärt und eingeübt. Dazu werden die verschiedenen „Rituale“ [66] aufgezeigt, und zumeist gibt der Reiki-Meister/Lehrer ergänzend praktische Empfehlungen für die Reiki-Anwendung.

Ohne die „Einweihung bzw. Einstimmung“ könnte man das erworbene Wissen jedoch nicht anwenden. Normalerweise finden vier Einweihungen bei dem Seminar des ersten Grades statt, in denen feinstoffliche Ebenen, die Hände und die Füße eingeweiht werden. Außerdem findet eine Öffnung bestimmter Chakren statt. Dies geschieht mittels alter Symbole und Rituale, die nur eingeweihten Reikimeistern/Lehrern bekannt sind, da sie mündlich vom Lehrer an den Schüler weitergegeben werden. Es ist keine Niederschrift erlaubt. Während der Einstimmung wird bei dem Schüler unter anderem ein „Energiekanal“ geöffnet, so dass die Lebensenergie durch das Scheitelchakra in den Kopf einfließen kann, um sich von dort aus im Körper zu verteilen. Da die Einweihungen versiegelt werden, bleibt den Menschen der Zugang zur Reikikraft ein Leben lang erhalten. Somit ist jeder, der das erste Seminar besucht hat, in der Lage, die Reikikraft jederzeit und überall anwenden zu können. Diese Versiegelung umfasst ebenfalls einen Schutz vor Fremdenergien, so dass bei einer Reikibehandlung die Eigenenergie sich nicht mit der Energie des zu Behandelnden vermischt. Diese Einweihungen sind ein besonderes Erlebnis, das von jedem Individuum unterschiedlich wahrgenommen wird. Da es keine festgesetzten Ausbildungsrichtlinien gibt, können manchmal Schwankungen entstehen, was die Ausbildungszeit und -inhalte betrifft.

2.4. Wirkungsebenen

Reiki entfaltet sowohl auf körperlicher als auch auf seelisch/mentaler Ebene seine Kraft.

Körperlich spürt der Empfänger zumeist Wärme (die sich bis zur Hitze steigern kann) oder ein Kribbeln an der jeweiligen Körperstelle, an der der Behandler die Hände aufgelegt hat. Bei Energieblockaden ist auch ein Kälteempfinden möglich. Reiki wirkt in jedem Fall entspannend und wohltuend, kräftigend und harmonisierend sowie entgiftend und entschlackend. Dadurch wird der Körper vitalisiert. Neben der Stärkung des Kreislaufs und der Verbesserung des Stoffwechsels, wird das gesamte endokrine Drüsensystem angeregt, die Verdauung harmonisiert, und Muskelverspannungen finden die Möglichkeit, sich aufzulösen. Wenn körperliche Anspannungen den Körper verlassen, ist bei dem zu Behandelnden teilweise ein unwillkürliches Zucken unterschiedlicher Körperteile zu beobachten.

Auf seelisch/mentaler Ebene verstärkt Reiki den Willen zur Gesundung und die allgemeine Lebensfreude. Ein Gefühl von Harmonie und tiefer Entspannung setzt ein, wobei es auch durchaus möglich ist, dass während der Behandlung Emotionen freigesetzt werden, die sich durch Lachen, Weinen oder Stöhnen/Seufzen äußern. Wenn dies der Fall ist, lösen sich „Energiestaus“ auf, die durch Blockaden und Gefühle und/oder Gedanken entstanden sind. Die Reikikraft und ein eventuell anschließendes Beratungsgespräch können hier helfen, den Behandelnden wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Weitere psychisch/mentale Wirkung kann der Reikibehandelte an der Verbesserung seines Schlafes, einer erhöhten Konzentrationsfähigkeit und dem Abbau von Stress feststellen. Neben diesen klar zu spürenden positiven Folgen besitzt Reiki auch eine subtile tiefgreifende geistig-seelische Wirkung, die der Empfänger nicht immer direkt bewusst wahrnehmen kann. Doch durch Reiki wird der seelische Wachstums- und Entfaltungsprozess nachhaltig unterstützt.

Es wird allgemein empfohlen, zu Beginn einer Behandlungsserie Reiki an drei aufeinanderfolgenden Tagen zu geben, und danach mit einer Behandlung pro Woche fortzufahren, bis der Klient insgesamt mindestens zehn Behandlungen erhalten hat. Dadurch kann alles „Aufgewühlte“ wieder geglättet und harmonisiert werden. Dieser „Zeitplan“ stellt jedoch nur eine Empfehlung dar und ist keine Verpflichtung. Im Laufe einer längeren Behandlungsabfolge kann es zeitweise zu Verschlimmerungen der Symptome kommen, was auch „Heilungskrise“ genannt wird. Doch bei beidseitigem Einverständnis sollte die Behandlung trotzdem fortgesetzt werden, weil dieses Phänomen erfahrungsgemäß meist das letzte „Aufbäumen“ der alten Probleme darstellt. Dieses „Phänomen“ ist auch bei anderen Naturheilverfahren bekannt (wie z.B. der Homöopathie), bei denen es zu einer Erstverschlimmerung kommen kann.

Der Mensch, der über einen längeren Zeitraum mit Reiki behandelt wird oder sich selber behandelt, kommt mehr mit seinen eigenen wirklichen Bedürfnissen in Kontakt und nimmt deutlicher wahr, was sein Körper und sein ganzes Wesen gerade brauchen. Zusätzlich kann durch die „Wiederbelebung“ unterdrückter Gefühle ein Prozess der sensibleren Selbstwahrnehmung in Gang gesetzt werden, der zu einem Zuwachs des Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten führen kann.

So individuell wie jeder Mensch ist, nimmt jeder auch unterschiedliche Wirkungen des Reiki war. Nicht jeder spürt genau dieselbe Wirkung, und auch nicht alle aufgezählten Effekte treten unbedingt auf einmal auf.

2.5. Anwendungsbereiche

Reiki kann jede andere Behandlungsmethode unterstützen und ist deshalb vielfältig einsetzbar und kombinierbar. „Es gibt keine Krankheit, die „immun“ gegenüber universaler Lebenskraft ist und bei der nicht durch Behandlungen zumindest eine Verbesserung des Allgemeinzustandes und eine Linderung von Schmerzen erreicht werden kann.“ [67]

Bei angeborenen Krankheiten lässt sich der körperliche Zustand zwar nicht grundlegend verändern, aber der psychische Zustand des Klienten kann wesentlich stabilisiert werden, was sich wiederum auf die körperliche Verfassung positiv auswirkt. Bewährt hat sich Reiki deswegen bei psychosomatischen Krankheiten. Bei regelmäßiger Anwendung kann Reiki helfen, Krankheiten vorzubeugen, da über den Abbau von negativem Stress das Immunsystem eine enorme Stärkung erfährt. Viele krebskranke Patienten benutzen die Kraft des Reiki, um die Nebenwirkungen einer Chemotherapie zu lindern. Weitere Anwendungsbereiche liegen in der Hospizarbeit, in der sich die Reikikraft sowohl für die Mitarbeiter persönlich als auch für die Patienten als gute Unterstützung erwiesen hat. Nach Abklingen einer Krankheit führt die Reikibehandlung zu einer schnelleren Regeneration, und vor Operationsterminen kann es helfen, Ängste des Klienten zu besänftigen. In Amerika konnten bereits umfassende Erfahrungen mit dem Einsatz von Reiki in Krankenhäusern gemacht werden [68]. Rand weist daraufhin, dass in den Vereinigten Staaten bereits mindestens 100 Krankenhäuser existieren, die Reiki anbieten [69]. Die Grenzen des Reiki liegen darin, dass es bei Notfällen oder schweren Krankheiten nur eine begleitende - nicht selbstständige - Behandlung darstellt. In einem Vorgespräch sollte daher jeder Reiki-Meister/Lehrer eventuelle Krankheitssymptome abfragen, und bei schwerwiegenden Krankheiten den Klienten an einen dafür zuständigen Arzt verweisen.

Reiki stellt in keinem Fall einen Ersatz für eine schulmedizinische Behandlung dar.

2.6. Versuch der wissenschaftlichen Erklärung

Die Wirkungsweise des Reiki lässt sich (noch) nicht vollkommen wissenschaftlich erklären. An dieser Stelle soll jedoch versucht werden, die Reikikraft mit rationalen Überlegungen zu untersuchen. Dabei wird sich weitestgehend auf die Ausführungen zu diesem Thema aus dem Buch „Das Reikikompendium“ gestützt. Dort wird die Theorie von biomagnetischen Feldern vorgestellt.

Der Mensch besitzt ein „Perineurium“. Dies ist ein grobkollagenfaseriges Bindegewebe, das in einem mehrbündeligen Nerv einzelne Faserbündel zusammenfasst, und somit die äußerste Bindegewebshülle des Nerven darstellt. Das gesamte Nervensystem wird von Gehirnzellen gesteuert, wobei mehr als die Hälfte davon perineurale Zellen sind. Wenn ein Teil des Körpers verletzt wird oder erkrankt, erzeugt das perineurale System an der verletzten Stelle ein elektrisches Potential, das den Körper auf die Verletzung oder Erkrankung aufmerksam macht.

Mit Hilfe dieses elektrischen Potentials lenkt das perineurale System Zellen (wie z.B. weiße Blutkörperchen oder mobile Hautzellen) zu der verletzten oder erkrankten Stelle. Somit ist das perineurale System direkt an einem Heilungsprozess beteiligt.

Die elektrischen Ströme, die den menschlichen Körper durchfließen, erzeugen Magnetfelder, die man Biomagnetfelder nennt. Sie umgeben den gesamten Körper, und dringen von außen in ihn ein. Das Gehirn und alle Organe besitzen ebenfalls ein biomagnetisches Feld, wobei jedes Organ mit einer unterschiedlichen Frequenz pulsiert. Zusammen bilden sie um den Körper herum ein großes biomagnetisches Feld, das auch als „Aura“ bezeichnet wird. Nach dieser Theorie stellt die Haut somit nicht die äußere Begrenzung eines Menschen dar, sondern seine Persönlichkeit dehnt sich in die Umgebung aus. Mit empfindlichen Biomagnetmessern hat man bereits die Felder verschiedener Organe gemessen, wobei das Herz das stärkste biomagnetische Feld aufzeigt, welches auf einer Entfernung von 4,50 Metern noch erfasst werden kann. Die Felder der einzelnen Organe zeigen gegenseitige Wirkung aufeinander, d.h. sie können andere Felder in ihrer Umgebung beeinflussen; somit auch andere Menschen. Dies geschieht, indem ein biomagnetisches Feld Veränderungen in einem anderen Magnetfeld herbeiführt oder die Frequenz des elektrischen Stromes verändert, der in dem Leiter fließt. Die Magnetfeldtheorie geht davon aus, dass wenn ein Mensch erkrankt, sich seine biomagnetischen Frequenzen eines oder mehrerer Organe nicht im gesunden Bereich befinden. Normalerweise kann mit Hilfe von Signalen benachbarter Zellen die richtige Frequenz wiederhergestellt werden, aber wenn zu viele Zellen aus dem Gleichgewicht geraten, kann die Kraft der verbindenden Schwingung soweit nachlassen, dass Krankheit entsteht.

Die menschlichen Hände sind ebenfalls von biomagnetischen Feldern umgeben. Legt der Reiki-Gebende nun seine Hände in die Nähe eines erkrankten Organs, wird das biomagnetische Feld seiner Hände wesentlich stärker als das des erkrankten Organs. Auf Grund dessen können sozusagen „gesunde Frequenzen“ in das Feld des Organs transportiert werden. Auf diese Weise pendeln sich dessen Frequenzen wieder im gesunden Bereich ein, was sich positiv auf die elektrischen Ströme sowie auf die biologischen Abläufe des Organs auswirkt. Es kann Heilung bzw. Gesundung eintreten. Die heilende Kraft der Hände wird somit teilweise von dem perineuralen System erzeugt. „Man hat die Felder von Heilern während einer Heilbehandlung gemessen und stellte fest, dass sie wesentlich stärker waren als die von Nicht-Heilern.“ [70] Weil das biomagnetische Feld des Reiki-Empfängers das Feld der Hände des Reiki-Gebers verändert, kann der Behandler auf diesem Wege Störungen im biomagnetischen Feld des Klienten feststellen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Reiki wahrscheinlich eine besondere Mischung aus Biomagnetik und anderen Energien darstellt.

Auf emotionaler - und somit nicht wissenschaftlicher Ebene - lässt sich die energetische Schwingung der Reiki-Kraft am leichtesten mit der Schwingung, die Liebe erzeugt, vergleichen. Gerald Hüther bemerkt bezüglich der Liebe: „Wir können sie mit all unseren Sinnen wahrnehmen, und doch hat sie keine bestimmte Gestalt. Sie ist selbst für unsere modernen Messgeräte unsichtbar, unmessbar, unberechenbar, und doch sind sich alle Menschen einig, dass es sie gibt.“ [71]

Genauso verhält es sich auch mit der Reikienergie.

2.7. Der Sinn der Rituale

Es gibt verschiedene Aspekte, die vor und nach einer Reikibehandlung zu beachten sind. Sie können dem Behandler helfen, bewusster mit den Prozessen umzugehen, die Reiki in Bewegung setzt, doch für die Entfaltung der Wirkung sind die Rituale nicht zwingend erforderlich.

Der Behandler sollte sich vor und nach der Anwendung die Hände unter fließendem Wasser waschen. Dies dient als Hygienevorkehrung und ist gleichzeitig ein symbolischer Akt, um alle Eindrücke, die vor und während der Behandlung aufgenommen wurden, zu neutralisieren.

Des Weiteren ist es für Geber und Empfänger empfehlenswert, Brille, Uhren und Schmuckstücke abzulegen. Der Grund dafür liegt darin, dass Metalle und Edelsteine feinstoffliche Energien anziehen, was sich bei der Reikibehandlung störend auswirken könnte.

Für beide Beteiligten wird bequeme und nicht beengende Bekleidung empfohlen. Die Schuhe des Empfängers sollten abgelegt werden, da dies für ihn in der liegenden Position meistens bequemer ist. Die Aufgabe des Behandlers ist es, für eine entspannte und ruhige Atmosphäre zu sorgen (bei Bedarf kann auch Musik eingesetzt werden) sowie dem Klienten zu einer angenehmen Liegeposition zu verhelfen (z. B. Kissen und Zudecke reichen).

Wenn es sich um eine Erstanwendung handelt, sollten zuvor in einem Gespräch eventuelle Krankheiten oder die Einnahme von Medikamenten abgeklärt werden. Der Reiki-Gebende darf ohne medizinische Ausbildung weder eine Diagnose stellen noch Medikamente verordnen, so dass bei einer schwerwiegenden Erkrankung des Klienten die Grenzen des Reiki verdeutlicht werden müssen und auf eine ärztliche Behandlung verwiesen werden sollte.

Es kann der Vertrauensbildung förderlich sein, wenn der Behandler nachfragt, inwieweit sich der Klient mit Berührungen (d. h. direktes Auflegen der Hände auf den Körper) einverstanden erklärt. Es gehört nicht zur Reikitradition, sich bei der Behandlung zu entkleiden, weil Reiki durch Kleidung problemlos hindurchfließen kann.

Zu Beginn der Sitzung stimmt sich der Reiki-Gebende ein, indem er versucht, sich zu zentrieren und zu sammeln. Je nach Bedarf kann eine innere Bitte (wie z. B. Reikikanal zu werden oder ähnliches) formuliert werden. Dann verbeugt sich der Behandler kurz vor dem Empfänger, um zu verdeutlichen, dass er den anderen Menschen respektiert. Dies geschieht meistens, wenn der andere schon eine liegende Position mit geschlossenen Augen eingenommen hat.

Ein wichtiges Ritual stellt das Glattstreichen der Aura des Klienten dar, bei dem der Behandler dreimal seine Hand oberhalb des Körpers vom Kopf bis zu den Füßen zieht. Dieser Vorgang hilft, oberflächliche „Energiestaus“ zu glätten, und regt den harmonischen Energiefluss der Aura an. Zudem ist es wie ein „Anklopfen“ an die feinstoffliche Ebene des Empfängers.

Während der Behandlung ist auf zwei Punkte zu achten: zum einen sollte der Empfänger seine Arme und Beine nicht gekreuzt haben, weil diese Haltung den Energiefluss stören kann, und zum anderen sollte der Reiki-Gebende seine Finger zusammen halten, da mit gespreizten Fingern die Energie mehr gestreut wird.

Die Behandlung schließt immer mit einem Energiestrich ab. Dieser wird mit einer Hand vom Becken nach oben Richtung Kopf gezogen. Die Technik hilft, den ganzen Körper zu vitalisieren. Somit wird ein Übergang aus der Entspannung zum „Erwachen“ geschaffen.

Allgemein können zwei Behandlungsformen unterschieden werden.

2.8. Die Ganzbehandlung

Bei einer Ganzbehandlung wird dem gesamten Körper des zu Behandelnden Reiki zugeführt. Eine Sitzung bei Erwachsenen dauert in der Regel 45-60 Minuten plus

vorherigem und/oder anschließendem Gespräch. Je nach persönlichen Vorlieben des Reiki-Gebenden wird entweder anhand einer genauen oder intuitiven Abfolge bestimmter Handpositionen behandelt. Da sich verschiedene Positionen bei bestimmten Beschwerden als besonders erfolgreich erwiesen haben, sind diese in einigen Büchern unter einer Art „Schlagwortverzeichnis“ zusammengefasst. Das bedeutet jedoch nicht, dass Reiki nur separat an der jeweiligen Körperstelle eingesetzt werden sollte. Wenn keine Besonderheiten gegen eine Ganzbehandlung sprechen (siehe unter „Kurzbehandlung“), wird sie immer angewandt.

Um die Wirkung von Reiki noch einmal zu verdeutlichen, sei an dieser Stelle ein Zitat eingefügt, welches die Wirkungsweise einer speziellen Handposition beschreibt. Es handelt sich dabei um das Auflegen der Hände an die Schläfen:

„Die beiden Gehirnhälften werden ausgeglichen, um Gefühl (rechts) und Verstand (links), Kopf und Bauch besser zusammenarbeiten zu lassen, damit die in der Folge durch Reiki ausgelösten Entwicklungsprozesse nicht einseitig bleiben und von beiden Seiten akzeptiert und gestützt werden. Der Ausgleich der Gehirnhälften verbessert insgesamt die Selbstheilungs- und Lernfähigkeiten sowie die ganzheitliche Lebensgestaltung. Entspannung stellt sich ein, und die Konzentrationsfähigkeit wird verbessert. Behandelt werden unter anderem bei dieser Position: die beiden Gehirnhälften, Augennerven und -muskeln sowie der Nasen-/Rachenraum und die Schläfenchakren.“[72]

2.9. Die Kurzbehandlung

Die Kurzbehandlung umfasst nur eine Zeitspanne von ca. 20 Minuten und sollte bei Kindern und alten Menschen angewandt werden. Diese zeigen zumeist eine höhere energetische Sensibilität, so dass sie die starke Energiezufuhr des Reiki körperlich nicht immer lange vertragen können. Ebenso bei Klienten, die eine hohe Dosis von Medikamenten einnehmen müssen, ist eine Kurzbehandlung empfehlenswert. Diese Behandlungsform eignet sich natürlich ebenfalls für Menschen, die aus Zeit- oder anderen Gründen nur eine kurze Behandlung wünschen.

Im Gegensatz zur Ganzbehandlung sollte der Klient eine sitzende Haltung einnehmen. Zuerst werden die Hände auf die Schultern des Empfängers gelegt und danach auf die Schädeldecke (siebtes Chakra). Anschließend werden die anderen sechs Hauptchakren des Körpers mit Reiki versorgt, die sich über Stirn, Hals, Brust, Bauch und Unterbauch erstrecken. Dabei wird jeweils eine Hand auf die Körpervorder- und Rückseite gelegt. Zu beachten ist, dass bei dem ersten Chakra die Hände mit Abstand zum Körper gehalten werden müssen, da es sich im Genitalbereich befindet. Auch für diese Behandlungsform gelten die vor- und nachbereitenden Rituale.

Da Reiki sehr individuell angewendet werden kann, ist eine Mischung aus beiden Behandlungsformen möglich. Diese habe ich in den Reikisitzungen mit dem hyperaktiven Kind praktiziert. Dabei handelt es sich von den zeitlichen Aspekten her eher um eine Kurzbehandlung, da dem Mädchen nie länger als 20-30 Minuten Reiki zugeführt wurde. Doch von den Handpositionen gleicht die Vorgehensweise eher der Ganzbehandlung, weil an mehr Bereichen als an den sieben Hauptchakren gearbeitet wurde.

2.10. Ganzheitlicher Blickwinkel

Zu der Tradition des Reiki gehört keine Beratung. Da es sich jedoch um eine Technik handelt, bei der man in Kontakt zu Menschen tritt, können persönliche Ressourcen in die Arbeit eingeflochten werden.

Einige Reikimeister praktizieren z.B. ergänzend „Lebensberatung“, die sich jedoch nicht immer auf spezielle Gesprächsführungstechniken oder ähnlichem stützt - lediglich auf die Erfahrung und Intuition des Reikimeisters.

Bei den alternativen Heilmethoden allgemein und ebenso bei Reiki lässt sich ein „Verständnis von Krankheit“ herauskristallisieren, welches besagt, dass eine Krankheit als Signal der Seele zu verstehen ist, welches sich auf körperlicher Ebene manifestiert. Reikimeister Walter Lübeck schreibt dazu: „Wir alle, die wir uns in der Kunst des Heilens üben, wissen, daß ein Krankheitssymptom niemals die Krankheit selber ist. Das Symptom ist nur ein kleiner Teil der Krankheit, der uns zwingt, die Ursache zu finden und sie in ihrer Vielschichtigkeit zu heilen.“ [73] Reikimeister Kathrein bemerkt :

„In der holistischen (ganzheitlichen) Sichtweise des Reiki bedeuten Krankheiten und ihre Symptome eine Standortbestimmung auf körperlicher, geistiger und seelischer Ebene. Wir sind aufgefordert, uns dieser Auseinandersetzung zu stellen, und die Reiki-Kraft kann uns dabei unterstützen, indem sie uns die Zusammenhänge zwischen Körper, Geist und Seele stärker spüren und begreifen läßt.“ [74]

Das Problem, welches sich bei der Behandlung von Kindern zu ergeben scheint, ist, dass sie noch nicht die vollkommene Verantwortung für ihr Leben haben, d.h. sie können sich immer nur in Wechselwirkung mit ihren nahen Bezugspersonen entwickeln. Dazu ein fiktives Beispiel: ein Kind hat Magenprobleme, und es erkennt nach einiger Zeit, dass der Auslöser dafür ist, dass es sich immer über ein bestimmtes Verhalten seines Vaters ärgert. Dieser nimmt jedoch in keinster Weise Anteilnahme daran und interessiert sich nicht für das Problem. Dem Kind bleiben dann nur eingeschränkte Möglichkeiten zu handeln (offene Rebellion, Entwicklung von „auffälligem Verhalten“ ...). Ein Erwachsener könnte sagen, dass er auf diese Begebenheit keine Lust mehr hat und er infolgedessen für sein eigenes Wohl etwas an der Beziehung ändert. Ein Kind könnte dieses nicht so ohne weiteres. „Das Kind ist weder objektiv noch subjektiv in der Lage, losgelöst von irgendwelchen Bezugspersonen als »autonome Überlebenseinheit« zu existieren.

Sein individuelles psychisches und physisches Gleichgewicht ist ebenso an das Gleichgewicht des Interaktionssystems, vor allem der Familie, gebunden wie seine Entwicklungsmöglichkeiten an die der Familie gebunden sind.“ [75]

Eine Reikibehandlung, die über einen längeren Zeitraum durchgeführt wird, bringt den „Nehmenden“ immer näher zu seinen eigentlichen Bedürfnissen (siehe Punkt 2.4.). Zusätzlich unterstützt Reiki die Menschen dabei, „Krankheit und Lebensprobleme als Wachstumschancen zu verstehen, und verleiht die notwendige Energie, an den Lösungen zu arbeiten“ [76]. Diese können jedoch manchmal nur schwer umgesetzt werden - bei Kindern erscheint die Umsetzung doppelt schwierig.

Diese Erkenntnis führte dazu, dass ich nicht nur dem Mädchen, sondern auch der Mutter Reiki gab, mit welcher ich unabhängig davon zusätzlich Gespräche führte. Dazu ließ ich meine Kompetenzen, die ich im Studium der Sozialpädagogik erlangt habe, miteinfließen. Ich benutzte dabei teilweise Aspekte der systemischen Gesprächsführung, da diese ebenfalls eine ganzheitliche Ansichtsweise impliziert und sich dadurch gut mit Reiki vereinbaren lässt.

3. Praxisbeispiel

In diesem Kapitel wird dargestellt, wie die praktische Anwendung von Reiki bei einem hyperaktiven Kind und seiner Mutter durchgeführt worden ist. Um in das Familiensystem zu intervenieren, wurden zwei Methoden gewählt: zum einen habe ich das Kind und seine Mutter mit Reiki behandelt und zum anderen führte ich beratende Gespräche mit der Mutter.

Eingangs möchte ich darauf hinweisen, dass die benutzten Personennamen aus datenschutztechnischen Gründen nicht mit den persönlichen Namen der Beteiligten übereinstimmen. Um nicht immer von „dem hyperaktiven Mädchen“ schreiben zu müssen, werde ich im weiteren Textverlauf für sie den Namen „Anna“ benutzen. Ihre Mutter wird mit „Frau A.“ betitelt, die Schwester von Anna wurde in Nora umbenannt. Die Namen der anderen Familienmitglieder wurden ebenfalls verändert.

3.1. Setting

Die Behandlungen fanden in einem Raum der Katholischen Fachhochschule statt - dem „Mäusenest“. Dies ist ein kleiner Raum, der ansonsten zur Kinderbetreuung genutzt wird. Es befinden sich eine große Liegefläche, ein Tisch mit vier Stühlen, Schränke und eine Wickelkommode in dem Raum. Die vorhandenen Spielsachen sind eher für Kleinkinder geeignet. Die Reikisitzungen mit Anna fanden über den Zeitraum eines halben Jahres (November 2001 bis April 2002) statt (mit Ausnahme der Winterferien und kurzen Pausen wegen Krankheiten der Familienmitglieder). Zwischen den ersten fünf Sitzungen bestand jeweils ein Zeitraum von einer Woche, und für die darauffolgenden Treffen wurde ein zweiwöchiger Abstand gewählt. Eine Sitzung nahm eine Stunde in Anspruch, wobei jeweils 20-30 Minuten mit Reiki behandelt wurde und die restliche Zeit zum Malen oder Spielen genutzt werden konnte. Das Mädchen bekam insgesamt zehnmal Reiki, wobei die Mutter sie die ersten vier Male begleitete. Die restlichen sechs Termine nahm das Kind ganz alleine wahr. Mit Frau A. führte ich zu Anfang zwei ausführliche Einzelgespräche außerhalb des Behandlungssettings. Ab Januar 2002 vereinbarte ich mit der Mutter fünf Termine, um auch ihr Reiki zu geben, von denen sie aber nur zwei für eine Behandlung nutzte. Diese Einheiten dauerten jeweils eine Stunde plus einem halbstündigen begleitenden Gespräch. Die anderen Treffen gestalteten sich auf Wunsch von Frau A. als beratende Gespräche. Den Mann der Mutter lernte ich bei einem Hausbesuch nur kurz kennen. Nora äußerte von Anfang an den Wunsch, auch Reiki zu bekommen, welchem jedoch nicht entsprochen wurde.

3.2. Das Familiensystem

Um dem Leser einen besseren Überblick zu ermöglichen, stelle ich das gesamte Familiensystem zunächst in einem Genogramm vor. Dieses ist eine Art Familienstammbaum, der verschiedene Fakten über die Familie zusammenfasst. Bei der Erstellung bin ich von den Daten ausgegangen, die ich in Gesprächen mit Frau A. sammeln konnte. Wichtige Familienmitglieder habe ich durch eine rote Namensgebung gekennzeichnet, die anderen Personen fanden nur am Rande Erwähnung. Der grüne Kreis lässt erkennen, welche Personen aktuell in einem Haushalt zusammenleben. [77]

Genogramm


Frau A. wurde 1966 als alleiniges Kind von Herrn und Frau B. geboren. Sie besuchte die Realschule, die sie auch abschloss. Danach begann sie mit der Ausbildung zur Erzieherin, die sie jedoch aufgrund von Problemen mit einer Lehrerin abbrach. Schließlich folgten zwei Versuche zur Ausbildung als Reiseverkehrskauffrau. Diese endeten beide mit einer grundlosen Kündigung ihrer Arbeitgeber nach der Probezeit. Diese Erfahrung frustrierte Frau A. so sehr, dass sie keine Motivation aufbrachte, etwas neues anzufangen. Deshalb hielt sie sich mit verschiedenen Nebenjobs über Wasser. Eine abgeschlossene Berufsausbildung hat Frau A. nie erlangt.

1989 kam sie mit Herrn Z. zusammen. Bereits ein Jahr später wurde Anna geboren. Frau A. baute sich mit Herrn Z. einen Kiosk auf, in dem sie abwechselnd arbeiteten. Da Herr Z. sich von Anfang an nicht um Anna kümmerte, musste Frau A. das Kind immer zwischen Kiosk und zu Hause mit hin- und hernehmen. Denn Herr Z. wollte, wenn er zu Hause war, seine Ruhe haben, und wenn er in dem Kiosk arbeitete, empfand er Anna ebenfalls als störend. So kümmerte sich Frau A. alleine um das Kind. Herr Z. hatte über die Jahre viele Schulden angehäuft. Er gestand Frau A., dass er in „kriminelle Finanzangelegenheiten“ verwickelt sei. Zu diesem Zeitpunkt war Frau A. bereits mit Nora schwanger. Deswegen bat sie ihren Partner, sich um eine Krankenversicherung zu kümmern, was dieser jedoch nicht tat. Er entzog sich jeglicher Verantwortung, so dass Frau A. (auch auf Empfehlung ihrer Eltern hin) ihn schließlich verließ. Sie zog vorübergehend in ein Haus des „Sozialdienstes Katholischer Frauen“. In dieser Zeit lernte sie ihren jetzigen Mann - Herrn A. - kennen und kam mit ihm für ein dreiviertel Jahr zusammen. Er war bei der Geburt von Nora (1992) anwesend. Danach kehrte Frau A. noch einmal für vier Jahre zu Herrn Z. zurück, doch die Beziehung scheiterte. Nachdem sie sich 1996 von Herrn Z. getrennt hatte (zu dem Zeitpunkt wurden Annas Auffälligkeiten massiver), nahm sie die Beziehung zu Herrn A. wieder auf, den sie ein Jahr später heiratete. Dieser ist ihr bezüglich der Kindererziehung auch keine Unterstützung, was eine Wiederholung eines wichtigen Faktors des Familiengefüges darstellt. Zur Zeit arbeitet Frau A. halbtags (im Schichtdienst) als Taxifahrerin. Zusätzlich bezieht sie Sozialhilfe und ihr Ehemann Arbeitslosenhilfe.

Sie gibt an, dass sie sich in den letzten beiden Jahren phasenweise Gedanken darüber gemacht habe, wie sie das Essen für ihre Kinder bezahlen solle. Die finanzielle Lage empfindet Frau A. als belastend. Die Familie besitzt zwei Hunde.

Frau A. pflegt einen sehr engen Kontakt zu ihren eigenen Eltern. Diese haben sich 1999 getrennt, so dass nur noch ihr Vater, nicht aber ihre Mutter, in der Nähe wohnt. Geschieden sind ihre Eltern nicht. Auch die beiden Mädchen haben eine enge Beziehung zu ihren Großeltern mütterlicherseits. Ihren Großvater sehen sie mehrmals in der Woche, und ihre Großmutter besuchen sie in den Ferien. Zu den Eltern ihres leiblichen Vaters pflegen sie keinerlei Kontakt. Zu der Mutter von Herrn A. haben sie nicht viel Bezug. Diese wird nur sporadisch von Herrn und Frau A. besucht.

Mein erster Eindruck von Frau A. war, dass sie eine „rustikale“, redselige und zupackende Frau ist, die viel Ausdauer hat. Sie erzählte mir gleich zu Anfang, dass sie vollkommen überlastet sei und „den Hals voll“ habe von den ständigen Konflikten mit ihrer Tochter. Sie suche Hilfe und Entlastung.

3.3. Das Kind

Mein erster Eindruck

Im Oktober 2001 lerne ich Anna kennen. Sie ist zu dem Zeitpunkt 11,4 Jahre alt. Das Mädchen kommt mit ihrer Schwester und ihrer Mutter zum Erstgespräch zu mir. Zwischen Frau A. und Anna fällt mir direkt eine große Affinität in Bezug auf Mimik, Gestik und Körperbau auf (sie sind beide sehr robust gebaut). Nora hingegen ähnelt den beiden vom äußeren Erscheinungsbild kaum (sie ist sehr dünn). Anna zeigt sich mir gegenüber eher schüchtern und erscheint sehr verschlossen. Sie redet kaum, dafür ihre Mutter und ihre Schwester aber umso mehr. Mir scheint es, als ob Anna eine „dicke Mauer“ um sich gezogen hat. Ihrer Mutter gegenüber verhält sie sich äußerst abwehrend und „bockig“. Es ist eine starke Anspannung zwischen Mutter und Tochter wahrzunehmen. Frau A. verbessert ihre Tochter bei allem, was sie sagt, und sobald Anna den Raum betritt, wird sie von ihrer Mutter keine Minute aus den Augen gelassen.

Die jüngere Schwester reagiert darauf mit Eifersucht. Zwischen den Schwestern zeichnet sich schon bei dem ersten Treffen ein Konkurrenzkampf ab. Sie spielen zwar zusammen, aber ihr Verhältnis scheint eher ambivalent zu sein.

Die beiden toben in der Wohnung herum, während ich mich mit der Mutter unterhalte. Anna schreit mehrmals unmotiviert und ist ständig in Bewegung. Sie bleibt keine fünf Minuten still sitzen, sondern „durchforstet“ sämtliche Räume. Besonders angetan zeigt sie sich von der Toilette, auf der sie sich den größten Teil des Treffens aufhält. Es scheint sie zu interessieren, dass der Raum wie eine Unterwasserwelt gestaltet ist. Nach einer kleinen „Kostprobe“ Reiki erklärt Anna sich einverstanden, sich mit mir wöchentlich zu treffen. Ich verdeutliche ihr, dass es mir sehr wichtig ist, dass sie die Behandlungen wirklich möchte, da ich diese nicht gegen ihren Willen vornehmen werde. Das scheint Anna zu gefallen.

Die Schwester beschwert sich lautstark, dass sie auch Reiki bekommen möchte, und dass sich alles immer nur um Anna drehe. Daraufhin bemerkt Anna: „Dann musst Du eben genauso gewalttätig werden wie ich, dann bekommst Du auch alles.“

Zur Vorgeschichte

Anna wird im Juni 1990 geboren. Die Schwangerschaft und die Geburt verlaufen problemlos. Im ersten Lebensjahr zeigt das Kind - bis auf leichte Schlafstörungen und vermehrtes Schreien - keine Auffälligkeiten. Nach Aussagen der Mutter treten bei Anna aber bereits im Alter von zwei Jahren übermäßig starke Stimmungsschwankungen sowie eine besonders hohe Ablenkbarkeit auf. Mit vier Jahren kommt Anna in den Kindergarten, wo sie durch aggressives Verhalten gegenüber den anderen Kindern auffällig wird. Die Kindergärtnerinnen teilen der Mutter mit, dass Anna kaum längere Zeit in einer Spielsituation verweilen könne und dass Anna durch ihr aggressives Verhalten eine Außenseiterrolle unter den Kindern einnehme. Sie sei unbeliebt, gelte als „Spielverderber“ und werde von den anderen Kindern gefürchtet, weil sie „schnell zuschlage“. In der gesamten Kindergartenzeit schließt Anna keine engeren Freundschaften.

Zu Hause entstehen Schwierigkeiten beim Einschlafen, und das Kind zeigt ein ausgeprägtes „Nägelkauen“, was bis zum heutigen Zeitpunkt anhält. Ebenso entstehen für die Mutter immer wieder Probleme, da Anna sich oft beschmutzt und bei der Kleiderauswahl sehr eigenwillig ist.

Anna weiß ganz genau, was sie möchte, und das versuche sie mit allen Mitteln durchzusetzen, so die Mutter. Von der Kindergartenzeit an bevorzugt Anna Süßes. Die sonstige Essensauswahl ist sehr eingeschränkt. Hüther bemerkt dazu: „ ... wir verspüren einen unwiderstehlichen Appetit auf Süßes und Fettiges (weil das Stoffwechselveränderungen in unserem Gehirn auslöst, die einen beruhigenden Effekt haben)“ [78].

Beim Eintritt in die Grundschule werden die Probleme massiver. Zu diesem Zeitpunkt trennt sich Frau A. von dem Vater der Kinder. Anna ist von der Schule sehr schnell enttäuscht, gerät mit den Lehrern immer wieder in Streitigkeiten, gibt patzige Antworten, hört nicht zu, stört den Unterricht, redet dazwischen und kann nicht abwarten, bis sie an der Reihe ist. Lediglich eine Lehrerin, die Anna sehr mag, „hatte sie einigermaßen im Griff“, so die Mutter. Die Klassenlehrerin führt des öfteren Gespräche mit Frau A. über Annas schwieriges Arbeitsverhalten. Das Kind vergisst oft die Hausaufgaben, und der Mutter gelingt kein Durchblick durch die chaotischen Aufzeichnungen ihrer Tochter. Wenn Anna Hausaufgaben macht, passiert dies nur sehr widerstrebend und mühsam. Da sie sich von allem ablenken lässt, benötigt sie für die Erledigung der Hausaufgaben mehrere Stunden am Tag.

Am 20. August 2001 wechselt Anna in die Hauptschule. Dort gerät sie mit den anderen Kindern weniger in Streitigkeiten, aber dafür führt sie ständig „Kämpfe“ gegen die Lehrer, so dass Frau A. schon ein paar Wochen nach Schulbeginn zu einem Gespräch eingeladen wird. Die Klassenlehrerin verdeutlicht ihr, dass Anna den Unterricht störe, unaufmerksam und äußerst grenzüberschreitend sei. Zusätzlich komme hinzu, dass sie den Unterrichtsraum unangemeldet verlasse, um sich auf der Toilette einzuschließen.

Als aktuelle Probleme gibt die Mutter beim Erstgespräch an, dass Anna ständig lüge und Fehler nicht zugeben könne. Bei Spielen könne sie nur schlecht verlieren. Anna sei unkonzentriert und produziere ständig Geräusche (sie schreit z.B. unmotiviert). Alles, was sie machen muss (z.B. Hausaufgaben, Zimmer aufräumen, Müll wegbringen) ,wehrt Anna grundsätzlich ab. Ihr aufgetragene Aufgaben erledigt sie entweder nur unter hohem Druck (z.B. mit Androhung der Mutter, dass ein Fernsehverbot eintrete), oder wenn sie etwas dafür bekommt (z.B. Süßigkeiten). Anna wolle generell nicht das, was Frau A. wolle. Das Mädchen trete sehr aggressiv auf, wodurch sie keinen Anschluss an eine Clique finde. Anna habe zwar mittlerweile zwei Freundinnen gewonnen, aber diese seien selber „schwierig“ und nähmen keinen guten Einfluss auf sie. Annas Aggressionen richten sich nur gegen jüngere und gleichaltrige Kinder. Gegenüber älteren Kindern zeige sie keinerlei Aggressionen, und bei Erwachsenen äußere sie ihre Aggressionen eher verbal. Doch dies sei sehr davon abhängig, ob Anna Sympathie für ihr Gegenüber empfinde oder nicht. Außerdem habe Anna Ein- und Durchschlafschwierigkeiten.

Die Mutter hat Angst, ihr Kind längere Zeit alleine zu lassen, da Anna ständig irgendetwas anstelle, z.B. aus ihrem Zimmer durch das Fenster nach draußen klettere. Wenn Anna bei anderen Menschen zu Besuch ist, z.B. bei den Großeltern oder bei Freunden der Familie, sei sie „wie ein anderes Kind“. Dann sei sie lieb, hilfsbereit und sehr umgänglich.

1997 beginnt Frau A. aus eigener Motivation heraus, sich Hilfe zu holen, da sie alleine mit Anna nicht mehr zurecht kommt. Sie fasst den Entschluss, zu einer Kinder- und Jugendpsychotherapeutin zu gehen, die über einen längeren Zeitraum einmal die Woche Einzelsitzungen mit Anna durchführt und zusätzlich die Eltern (also Herrn und Frau A.) ein bis zweimal im Monat zu einem Gespräch einlädt. An diesem nimmt jedoch meistens nur Frau A. alleine teil, da ihr Mann die Kinder beaufsichtigen muss. Durch diese Therapie sind leichte aber stetige Verbesserungen bezüglich Annas Verhalten zu erkennen, doch wegen Umzugs der Therapeutin muss die Therapie frühzeitig abgebrochen werden. Daraufhin wird eine neue Therapie bei einem anderen Kinder- und Jugendpsychotherapeuten begonnen. Dieser arbeitet jedoch nur dreimal mit dem Kind alleine, um danach ausschließlich Elterngespräche zu führen. Nach Aussagen von Frau A. verschlechtert sich das Verhalten von Anna so massiv in dieser Zeit, dass der Therapeut eine außerhäusliche Unterbringung des Kindes als geeignetste Interventionsmaßnahme ansieht. Frau A. fühlt sich von ihm bedrängt, da dieser ihr den Vorschlag immer wieder mit Nachdruck unterbreitet, so dass sie schließlich die Therapie abbricht. Nach einer kleinen zeitlichen Pause wird von Anna ein EEG in der Uniklinik Köln angefertigt, um mögliche körperliche Gehirnschäden abzuklären. Nachdem die Ärzte keine körperlichen Ursachen finden können, verweisen sie Frau A. an eine andere Kinder- und Jugendpsychotherapeutin. Diese führt anfänglich alleine Gespräche mit Anna, doch anschließend beschränkt sie sich ebenfalls auf Elterngespräche. Davon ist Frau A. nicht begeistert, weil sie die Meinung vertritt, dass auch ihr Kind Hilfe braucht. Daraufhin verordnet die Therapeutin dem Kind das Medikament „Medikinet“, welches bei hyperaktiven Kindern eine dämpfende Wirkung hervorrufen soll. Da dieses jedoch überhaupt nicht anzuschlagen scheint, sondern sich nur massive Nebenwirkungen einstellen, entschließt sich die Mutter dazu, es nach drei Monaten abzusetzen und die Therapie ganz abzubrechen. Die Therapeutin empfiehlt der Mutter eine Erziehungsberatungsstelle aufzusuchen, was Frau A. zu dem damaligen Zeitpunkt jedoch ablehnt.

Bei den drei Psychotherapeuten wurde Anna getestet, und alle kamen zu dem Ergebnis, dass bei dem Kind eine hyperkinetische Störung vorliege.

Danach stößt Frau A. über Bekannte auf mein Angebot.

3.4. Die Reikisitzungen

An dieser Stelle möchte ich anhand von drei Reikisitzungen exemplarisch darstellen, wie ich vorgegangen bin. Dafür habe ich zwei Sitzungen mit dem Mädchen ausgewählt (einmal in Begleitung ihrer Mutter und das andere Mal ganz alleine) sowie eine Sitzung mit der Mutter. Ich habe mich für die Darstellung dieser drei Behandlungsabläufe entschieden, da je nach Personenkonstellation Unterschiede bezüglich des Ablaufs der Sitzung erkennbar sind.

Dritte Sitzung mit Anna am 04.12.2001

Anna kommt mit ihrer Mutter in die KFH. Ich empfange sie wie jedes Mal im Foyer. Auf dem Weg in den dritten Stock erzählen beide, wie es ihnen geht. Im Zimmer angekommen, nimmt Anna direkt auf der großen Matratze Platz, zieht sich ihre Schuhe aus, legt ihren Schmuck ab und macht es sich bequem. Die Mutter verlässt das Zimmer, um draußen zu warten. Sie erklärt Anna, dass sie in einer halben Stunde wiederkomme. Ich gehe, um meine Hände kurz zu waschen, danach nehme ich die anderen vorbereitenden Rituale vor [79]. Da ich Anna bei den vorherigen Treffen alle ihre Fragen zu Reiki beantwortet habe, kann ich gleich mit der Behandlung beginnen. Sie legt sich auf den Bauch, so dass ich mit der Behandlung des Rückens anfange. Anna schließt ihre Augen nicht, sondern erzählt ununterbrochen „Geschichten“ aus ihrem Leben (z.B. von der Geburt der Hundebabys, welche ihre Hündin letztes Jahr geworfen hat). Zwischendurch gähnt sie mehrmals herzhaft, woraufhin sie jedoch gleich wieder „in Aktion tritt“. Es fließt sehr viel Reiki. Nach der Behandlung ihres Rückens, bitte ich sie, sich umzudrehen. Nun behandele ich ihren Kopfbereich. An ihrem Halschakra angekommen verstummt sie für einen kurzen Moment. Durch die Gefühle in meinen Händen kann ich wahrnehmen, dass Anna eine große energetische Blockade am Hals hat.

Wie bereits unter Punkt 2.1. erwähnt, steht das Chakra allgemein für die Themen Kommunikation, Grenzsetzung, Selbstausdruck, Unabhängigkeit sowie Loslassen und Entspannung. Nach kurzer Zeit schreit Anna auf, weil es so sehr heiß sei an ihrem Hals. Ich frage nach, ob es unangenehm sei, worauf sie antwortet, dass es sowohl angenehm wie auch unangenehm sei. Da ich das Gefühl habe, dass die Blockade „auflösungswillig“ ist, behandele ich den Hals weiter mit Reiki. Anna beginnt stark zu husten, was ein Zeichen dafür ist, dass sich Spannungen lösen. Der Husten klingt nach ein paar Minuten ab, und das Chakra fühlt sich für mich schon etwas besser an. Um die freigewordenen Spannungen abzuleiten, gehe ich nun zu den Füßen. An diesem Bereich ist Anna sehr empfindlich. Jedes Mal, wenn ich ihre Füße behandele, tritt eine körperliche Unruhe ein. Dieses Mal setzt sie sich auf und fragt, ob sie sich ein Buch nehmen dürfe. Ich lasse es zu, da ich den Eindruck habe, dass sie das beruhigt. Ihre beiden Füße zucken sehr, was ebenfalls ein Zeichen für Spannungsentladung ist. Sie erzählt, dass sie am nächsten Tag früh morgens zur Blutabnahme muss. Das finde sie blöd, weil das weh tue, aber das Gute daran wäre, dass sie dann nicht in die Schule müsse. Auf den Krankenhausaufenthalt freue sie sich schon, weil sie dadurch schulfrei habe (Anmerkung: Anna muss wegen anhaltenden Durchfällen zu einer Darmspiegelung. Dies wurde bereits in der ersten Sitzung angesprochen).

Während ich ihr weiter Reiki gebe und zuhöre, erzählt sie mir, warum sie die Schule nicht mag (die Lehrer seien doof, es sei langweilig...). Zum Abschluss behandele ich noch ihren Bauch. Dabei wird sie ganz ruhig und gähnt viel.

Nach ca. 30 Minuten ist die Behandlung abgeschlossen. Ich hole die Mutter herein und wasche meine Hände. Wie zuvor mit Anna besprochen, hat sie nun noch ein bisschen Zeit, um zu malen, was sie liebend gerne tut. Ich lege die Malsachen auf den Tisch und nehme mit der Mutter und Anna Platz. Mir scheint es, als ob sich Spannungen zwischen Mutter und Tochter aufbauen würden. Frau A. fragt Anna, ob sie mir ihr „schlimmes Geheimnis“ schon erzählt habe. Anna wehrt heftig ab, und betont, dass sie das auch nicht wolle. Ich werfe ein, dass sie das auch nicht brauche. Ich merke, dass es Anna ganz wichtig zu sein scheint, dass die Mutter es keinem erzählt. Aber diese ärgert Anna, indem sie so tut, als ob sie es mir zuflüstern würde. Anna springt auf und sagt, dass sie aufs Klo müsse. Kaum hat sie das Zimmer verlassen, erzählt mir die Mutter, worum es sich handelt. Es geht alles so schnell, dass ich nicht intervenieren kann. Anna hat im Biologie- und Englischtest aus dem Buch abgeschrieben, wobei sie erwischt wurde. Daraufhin bekam sie in beiden Fächern wegen Täuschungsversuches die Note „Sechs“. Ich wollte gerade darauf eingehen, dass ich es nicht gut finde, dass sie mir dieses gegen den Willen ihrer Tochter erzählt hat, da platzt Anna herein. Sie ist sehr wütend und aufgebracht. Sie schreit ihre Mutter an und tut so, als ob sie sie erwürgen würde. Anna sagt, dass sie gelauscht habe, und wirft ihrer Mutter vor, das Geheimnis verraten zu haben. Frau A. streitet es ab. Ich finde die Situation sehr unangenehm, sage jedoch nichts dazu, da ich der Mutter nicht vor den Augen der Tochter „in den Rücken fallen“ möchte. Nach kurzer Zeit beruhigt sich Anna wieder und setzt sich auf die Matte. Zum Malen hat sie nun keine Lust mehr.

Die Mutter erzählt mir, dass die Lehrer der Hauptschule nach einer Klassenkonferenz einen Antrag auf Wechsel zur E-Schule [80] gestellt hätten, da Anna im normalen Unterricht nicht mehr tragbar sei. Sie springe zwischendurch auf, schreie die Lehrer an und renne aus dem Klassenzimmer, um sich auf der Toilette einzuschließen. Anna bemerkt dazu, dass sie auf keinen Fall in die andere Schule will.

Wenn das passiere, würde sie alle Lehrer umbringen. (Anmerkung: in einer späteren Sitzung erzählt mir das Mädchen, dass ihr „Erzfeind“ - ein Junge in ihrem Alter - auf der E-Schule sei, der sie immer verprügele. Vor dem habe sie Angst.) Die Mutter verdeutlicht ihrer Tochter, dass sie keinen Widerspruch einlegen werde, weil sie der Meinung ist, dass die Verantwortung für die Hauptschulsituation ganz bei Anna liege. Sie erklärt ihrer Tochter, dass nur sie alleine den Schulwechsel verhindern könne, indem sie ihr Verhalten ändere. Damit liegt ein großer Druck auf Anna, der zu späteren Zeitpunkten immer wieder zum Thema wird. Die Mutter erwähnt, dass sie sehr müde sei, weil sie nur wenig geschlafen habe. Mittlerweile ist Anna an den Tisch zurückgekehrt und malt relativ ruhig Hundebilder. Ich frage nach, warum Frau A. müde sei, woraufhin sie mir erzählt, dass des Nachts das Telefon geklingelt habe. Davon sei Anna erwacht und zu ihr ins Bett gekommen. Da ihr Mann noch in einer Kneipe unterwegs war und sie dachte, dass er angerufen habe, versuchte sie, ihn auf seinem Handy zu erreichen. Der Mann nahm jedoch nicht ab. Frau A. machte sich große Sorgen, weshalb sie die halbe Nacht nicht schlafen konnte. Ihr Mann erklärte ihr hinterher, dass er den Klingelton ausgestellt habe. Sie schien sehr wütend und bemerkte dazu nur, „typisch Mann“. Gleichzeitig erklärte sie mir, dass ihr Mann nicht der Vater der Kinder sei. Sie erscheint mir sehr angespannt und sagt, dass sie sich mit allem überfordert fühle (Haushalt, Job, Kindererziehung). Auf meine Nachfrage hin, ob ihr Mann sie denn unterstützen würde, blockt sie verneinend ab und wechselt das Thema. Da Annas Englischkenntnisse nicht gut seien, würde Frau A. Anna in ein paar Jahren gerne nach England schicken. Anna protestiert, weil sie die Sprache „doof“ findet. Daraufhin spricht Frau A. mit ihr nur noch in Englisch, worauf das Mädchen noch gereizter reagiert. Die Mutter erklärt mir, dass sie zu Hause des Öfteren mit ihrem Mann englisch spreche, um Annas Neugier zu wecken. Diese reagiere jedoch nicht darauf. Zum Abschluss der Stunde erzählt Frau A. noch eine Geschichte aus Annas Kleinkindzeit: Im Alter von circa zwei Jahren habe sich Anna in ihrem Zimmer mit ihrem eigenen Kot eingeschmiert und die Wände gleich dazu. Ich bemerke, dass Verdauung scheinbar ein wichtiges Thema zu sein scheint, woraufhin Anna mir gleich begeistert erzählt, wie oft sie heute schon auf der Toilette war. Frau A. bemerkt, dass Anna viel zu oft das WC aufsuche.

Dies vermittelt mir den Eindruck, dass Anna etwas „loswerden“ möchte, für das sie keinen anderen Weg finden kann. Ich schließe die Stunde, indem ich die beiden zum Foyer begleite. Ich wünsche Anna viel Glück für ihren Krankenhausaufenthalt. Mit der Mutter vereinbare ich einen Gesprächstermin, da ich das Gefühl habe, dass dies angebracht wäre.

Anmerkung: Bei dem Gespräch habe ich die oben beschriebene Situation des „Geheimnislüftens“ thematisiert.

Sechste Sitzung mit Anna am 29.01.2002

Als ich das Foyer der KFH betrete, erwartet mich Anna bereits gut gelaunt und mit einem neuen Haarschnitt. Sie erzählt mir gleich, dass ihr Zeugnis nicht so gut gewesen sei, aber dass es dafür nicht so viel Ärger zu Hause gegeben habe. Auf dem Weg in den Behandlungsraum fragt sie mich bezüglich meiner eigenen Erfahrungen in meiner Schulzeit aus (z.B. ob ich auch einige Lehrer gehasst habe, was ich getan habe, wenn ich gar keine Lust zum Lernen hatte...). Ich beantworte ihre Fragen und versuche ihr näher zu bringen, dass man nur sich selber ärgert, wenn man sich gegen die Schule wehrt. Denn die Lehrer bleiben doch, wie sie sind, und man selber bekommt nur Probleme, wenn man gegen alles und jeden „rebelliert“. Das schien sie mit Interesse aufzunehmen. Sie meint, dass sie sich manchmal fragt, warum einige Lehrer überhaupt mit Kindern arbeiten, wenn sie diese doch scheinbar so wenig leiden können. Bevor wir mit der Behandlung beginnen, teile ich ihr mit, dass unsere gemeinsame Zeit bis Mitte April begrenzt ist. Nach der Ausführung der Rituale beginne ich, ihre Hauptchakren zu behandeln. Sie fragt mich, warum ich an diese Körperstellen gehe, und ich erkläre ihr kurz die Chakren. Davon scheint sie sehr beeindruckt. Anna bleibt die ganzen 30 Minuten ruhig liegen, ohne rumzuzappeln. Lediglich ihre Füße zucken zeitweilig. Auch redet sie nicht so viel wie zuvor. Sie scheint die Behandlung genießen zu können. Die Augen schließt sie allerdings nicht. Ihr Halschakra zieht viel Energie, und die Blockade ist kaum noch zu spüren. Ich behandele ihre gesamte Körpervorderseite einschließlich der Füße. Bei denen angelangt fängt Anna an, viel zu erzählen (über ihre Lieblingssendungen und -videofilme). Aber im Gegensatz zu den vorherigen Sitzungen bleibt sie dieses Mal liegen. Ihrem Rücken führe ich heute kein Reiki zu. Nachdem die Behandlung abgeschlossen ist, bleibt Anna noch einen Moment liegen, während ich mir die Hände wasche. Sie sagt, dass sie sich nun dazu entschlossen habe, sich in der Schule mehr anzustrengen. Ich bin sehr überrascht und unterstütze sie darin. Auf ihren Wunsch hin habe ich heute ein Spiel mitgebracht, welches wir beide mit großer Begeisterung spielen. Dabei zeigt sich Anna die ganzen weiteren 30 Minuten hoch konzentriert, und sie springt kein Mal von ihrem Stuhl auf. Als sie das Spiel sogar gewinnt, freut sie sich sehr. Mit dieser positiven Stimmung beenden wir die Stunde. Ich begleite sie noch mit der U-Bahn bis zum Bahnhof, wo ihre Mutter sie abholt.

Zweite Sitzung mit der Mutter am 05.03.2002

Ich hole Frau A. im Foyer ab, wo sie mir zur Begrüßung gleich eine Tafel Schokolade schenkt. Damit möchte sie sich dafür bedanken, dass ich Anna die letzten Male immer zum Bahnhof begleitet habe. Sie ist sehr erfreut darüber, dass „alles so gut klappe“ - Anna sei umgänglicher geworden in der letzten Zeit, und auch sie fühle sich weniger gestresst. Im Behandlungsraum angekommen führen wir zunächst ein halbstündiges Gespräch. Sie erklärt mir, dass sie sehr froh sei, wenn Anna alleine zu mir komme, da sie dann selber eine Stunde Zeit für sich habe und Anna zusätzlich lernen könnte, selbstständiger zu werden. Ich bestärke sie darin, sich selber etwas Gutes zu tun. Denn wenn sie entspannter ist, kann sie auch dem „Alltagsstress“ besser entgegentreten. Frau A. erzählt mir, dass sie mit Anna zur Nachuntersuchung in der Uniklinik war (wegen des Durchfalls). Körperlich konnte nichts festgestellt werden, und eine Milchzuckerallergie liegt auch nicht vor. Die Ärzte stellen die Vermutung auf, dass Anna zu viel Zucker zu sich nehme, der den gelegentlichen Durchfall auslöse. Nach einer Gewichtskontrolle teilten die Ärzte der Mutter mit, dass Anna 10 kg Übergewicht habe und dringend abnehmen müsse. Nun hat sich Frau A. entschlossen, Süßigkeiten für Anna drastisch zu reduzieren. Diesen Entschluss hat sie gleich allen Kiosken in ihrer näheren Umgebung mitgeteilt und ein Verkaufsverbot für Anna ausgesprochen. Auch mich bittet sie, dem Kind nichts Süßes zu geben. Ich unterstütze sie darin, Anna bezüglich der Süßigkeiten Grenzen zu setzen, und frage nach, wie sie das Verbot ihrem Kind erklärt habe.

Daraus ergibt sich ein längeres Gespräch über „gesunde Ernährung“. Frau A. berichtet, dass sie mit Anna die Vereinbarung getroffen habe, dass sie erst wieder Süßes bekomme, wenn sie 3 kg abgenommen habe. Bei dieser Situation war ebenfalls ihr leiblicher Vater anwesend, der dies mit der Versprechung, Anna bei sechs verlorenen Kilogramm ein Handy zu schenken, zu übertrumpfen versuchte, so die Mutter. Darüber sei sie sehr verärgert gewesen, da sie glaubt, dass der Vater die leere Telefonkarte nicht neu kaufen würde. Dann würde Anna ihr damit wieder „in den Ohren hängen“. Hier zeigt sich deutlich, dass Herr Z. und Frau A. eine eher konflikthafte Beziehung haben.

Frau A. erzählt, dass ihr am vorherigen Abend seit langer Zeit mal wieder die „Nerven gerissen“ seien. Die Kinder hätten sich über eine halbe Stunde lauthals und sehr massiv vor ihren Augen gestritten. Zuerst habe sie versucht, sich nicht einzumischen und Ruhe zu bewahren, aber als Anna dann ihre jüngere Schwester in die Nieren getreten habe, sei bei ihr eine „Sicherung ausgeschaltet“, und sie hätte Anna „was auf den Hintern gegeben“. Sie erklärt, dass sie allergisch reagiere, wenn irgend jemand einen anderen im Kopf- oder Bauchbereich verletze. Sie hätte über ihre Reaktion nicht mehr nachdenken können, sondern gleich agiert. Anna sei danach beleidigt in ihr Zimmer gegangen, und ihr hätte ihr „Ausbruch“ leid getan. Während sie dies erzählt, scheint sie sich einerseits zu schämen und andererseits unterschwellig nach einer anderen Lösung zu fragen. Ich erwidere, dass es für Kinder allgemein gut sei, wenn sie eine „Bestrafung“ nachvollziehen könnten. Aber wenn die Kinder jemandem Gewalt zufügen und die „Bestrafung“ dafür ebenfalls Gewalt wäre, sei dass nicht verständlich. Sie sagt, dass sie anfangs geschrieen habe, wenn Anna nicht auf sie hörte. Da dieses immer öfters eingetreten sei, habe sie sich angewöhnt, gleich lauter mit Anna zu reden. Ich erwähne, dass es manchmal sehr hilfreich sein kann, wenn man sein Kind berührt (z.B. am Arm) und ihm fest in die Augen schaut, bevor man zu ihm redet. Dann ist meist eine höhere Aufnahmebereitschaft bei dem Kind zu erkennen. Das will sie in Zukunft ausprobieren. Sie fügt hinzu, dass sie das Gefühl habe, dass sich ihre Tochter und sie in einem ständigen Machtkampf darüber befinden würden, wer „das Sagen“ habe. Frau A. meint, dass Anna am liebsten die Oberhand über alles haben würde.

Es komme ihr so vor, als ob Anna versuche, sie „runterzudrücken“, um selber die anderen „wie eine Königin“ rumkommandieren zu können. Auf dieses Verhalten reagiere Frau A. selber mit Machtausübung, worauf Anna wiederum trotzig und aggressiv werde. Auf meine Nachfrage, wie die Kinder sich denn ihrem Mann gegenüber verhielten, erwidert sie, dass sie auf den gar nicht hörten. Anna ist der Auffassung, dass sie auf Herrn A. nicht hören müsse, weil er nicht ihr Vater sei. Trotz dieser „aufreibenden“ Themen läuft unser Gespräch ruhig und klar ab. Frau A. spricht des Weiteren die Schule an. Vor zwei Wochen wurde Anna von einer Pädagogin aus der E-Schule getestet, aber das Ergebnis sei noch nicht bekannt. Die Mutter erzählt mir von Annas starken Verbesserungen in der Schule und formuliert die Hoffnung, dass der Schulwechsel eventuell noch abgewendet werden könne. Danach gehen wir zu der dreiviertelstündigen Reikibehandlung über. Dabei liegt Frau A. mit geschlossenen Augen auf dem Rücken. Ich nehme eine Ganzkörperbehandlung vor, wobei einige Positionen auffallen. Genau wie ihre Tochter reagiert sie jedes Mal mit Unruhe, wenn ich ihre Füße behandele. Diese Mal bemerkt sie, dass es dort besonders warm werde, was sehr angenehm sei. Ich bemerke, dass ihre Füße sehr angespannt aussähen (die Zehen sind hochgebogen), woraufhin sie ihre Füße etwas lockert. Sie meint, dass diese „viel aushalten müssten“. Bei der weiteren Behandlung zucken ihre Füße noch des öfteren unwillkürlich. Dies tritt ebenso bei der Gabe von Reiki an den Knien sowie an den Hüften auf. Als ich ihr Herzchakra behandele, kann ich eine sehr starke Blockade an diesem feststellen, welche sich nicht auflösen lässt. (Anmerkung: Die Themen dieses Chakras sind Liebe, Harmonie, Hingabe, Partner- und Freundschaft). Dafür ist ihr Halschakra im Gegensatz zu der vorherigen Sitzung sehr „offen“, so dass viel Reiki fließen kann. Ich verweile lange Zeit in dieser Position. Frau A. fängt zuerst an, laut zu Seufzen, und danach schläft sie ein. Bei der Behandlung ihrer Nieren wacht Frau A. wieder auf, mit den Worten „da rennen sie bei mir offene Türen ein“. Ich frage nach, was sie damit meint, aber sie kann es nicht erklären. (Anmerkung: Die Nieren stehen allgemein für „Partnerschaftsthemen“.) Ich erkläre ihr, dass die Nieren eine wichtige Funktion bei der Entschlackung des Körpers einnehmen und dass es gut sei, nach der Behandlung viel zu trinken, um den Körper bei seiner Arbeit zu unterstützen. Nach Beendigung der Reikisitzung sieht Frau A. sehr viel frischer und erholter aus. Sie habe sich sehr gut entspannen können und sei sogar eingeschlafen, berichtet Frau A. Sie bedankt sich, und ich begleite sie zum Foyer.

3.5. Entwicklungsverlauf

In diesem Abschnitt fasse ich die Beobachtungen, die ich über den gesamten Behandlungszeitraum sammeln konnte, zusammen und vergleiche sie an einigen Stellen mit den Theorien über psychosoziale Entstehungsfaktoren. Diese sind unter Punkt 1.3.5. dieser Arbeit nachzulesen, und da ich sie nicht doppelt ausführen möchte, werden die Theorien nicht immer vollständig wiedergegeben.

Zu Beginn der Reikisitzungen hatte Anna noch große Schwierigkeiten, sich zu entspannen. Dieses formulierte sie auch auf verschiedene Art und Weise (z.B.: sie habe Angst einzuschlafen, weshalb sie ihre Augen nicht schließen würde; sie möge es nicht, sich zu entspannen; sie wäre lieber immer „auf Power“). Einen Grund dafür konnte sie selber nicht nennen. Ab der vierten Sitzung veränderte sich das Verhalten von Anna zusehends. Es gelang ihr immer mehr, loszulassen und zu entspannen. Bei der siebten Reikisitzung schloss sie sogar für einige Zeit ihre Augen und schlief fast ein. Ihre Bemerkung, dass ihr momentaner Lieblingsplatz zu Hause ihr Bett sei, weil man sich darin so gut erholen und schlafen könne, zeigt, dass sich die Entspannung langfristiger und situationsübergreifend auszuwirken scheint. Ihre Mutter berichtete zeitgleich, dass Anna sich öfters ruhig alleine beschäftigen könne (z.B. Musik in ihrem Zimmer höre). Köckenberger bemerkt, dass Entspannung nicht nur die sichtbare Bewegungsaktivität beruhige, sondern dass durch die gewonnene Ruhe innere Bilder auftreten könnten, die zu einer Konfliktbewältigung und Steigerung des Selbstwertgefühls beitragen könnten [81].

In den ersten beiden Sitzungen war eine hohe körperliche Anspannung in Annas gesamtem Hüft- und Beinbereich zu erkennen. Mit Behandlung des zweiten Chakras (Lebensthemen: Kreativität, Gefühle und Lebenskraft) und den Füßen lösten sich diese fast komplett auf. Dabei war teilweise ein starkes Zucken vom unteren Beinende bis in das Gesäß zu spüren. Auch das Zucken ihres linken Arms und ihrer linken Hand, mit der sie anfänglich monotone Bewegungen ausführte oder unterschwellig aggressiv auf die Matratze schlug, konnten vollkommen verschwinden. In Korrespondenz zu dem Prozess des fortschreitenden „Loslassenkönnens“ ist auch die Entwicklung der Beziehung zur Mutter zu sehen. Wo am Anfang eine fast symbiotische Beziehung herrschte, konnte im Verlauf der sechs Monate eine stufenweise Loslösung geschehen. In der ersten Sitzung durfte die Mutter den Raum nicht verlassen, in der zweiten konnte Anna es bereits ertragen, dass ihre Mutter für die Zeit der Behandlung den Raum verließ. Schließlich kam Frau A. später nur noch, um Anna abzuholen, und die letzten drei Sitzungen reiste Anna ganz alleine mit dem Zug nach Köln (Anmerkung: die Familie wohnt circa eine halbe Stunde von Köln entfernt).

Interessant ist die Beobachtung, dass das Mädchen durchgängig mehr oder weniger stark reagierte, wenn ihre Füße behandelt wurden. Dann zeigte sich Unruhe, Abgelenktheit und Anna fing jedes Mal an, viel zu erzählen. Sie bemerkte selber, dass es im Fußbereich immer besonders warm wurde. Dies ist ein Anzeichen dafür, dass der Bereich viel Energie benötigt. Da die Füße im übertragenen Sinne als ein Symbol für die Verbindung zur Erde und somit für „Verwurzelung und Erdung“ gesehen werden, ließe sich die Hypothese daraus ableiten, dass Anna zu wenig „Verwurzelung und Standfestigkeit“ hat.

Auffällig ist, dass bei Frau A. bezüglich der Füße ein ähnlicher Prozess zu erkennen war. Auch sie reagierte mit vermehrter Unruhe, wenn ihre Füße behandelt wurden, und bemerkte, dass es an der Körperpartie besonders heiß sei. Dem fügte sie den Kommentar hinzu, dass die Füße „viel aushalten und tragen müssten“.

Durch den gesamten Behandlungszeitraum hindurch traten immer wieder dieselben Themen auf. Ein zentrales Thema stellte der Gang zur Toilette dar. Es entstand schon relativ früh der Eindruck, dass die Toilette für Anna etwas besonderes darstellte. In der Schule schloss sie sich in diese ein (wodurch sie Ruhe vor „der doofen Schule“ hatte und allein sein konnte). Auch bei unserem ersten Treffen war ihr bevorzugter Raum die Toilette, in der sie sich den größten Teil der Zeit aufhielt [82]. Während der ersten beiden Reikisitzungen schien sie den Gang zur Toilette als „Auszeit“ zu nutzen, wenn es ihr zu viel wurde. Gleichzeitig schien sie damit aber auch etwas austesten zu wollen: Akzeptiert die andere Person, wenn ich meine Grenzen setze? Ich ließ Anna in dieser Sache gewähren, und schon bald legte sie die Verhaltensweise ab. Gegenüber ihrer Mutter schien noch ein anderer Aspekt eine Rolle zu spielen: Macht und Autonomie. Frau A. befand immer, dass Anna zu oft die Toilette aufsuchen würde. Anna hingegen erzählte freudestrahlend, wie oft sie bereits auf dem WC war. Den Gang zur Toilette konnte ihre Mutter ihr nicht verbieten, so dass Anna über ihre Verdauung die alleinige Macht besaß. Sie erlangte dadurch die Legitimation, sich aus einer Situation herauszuziehen, wenn sie es wollte [83].

Diese Verhaltensweise konnte Anna jedoch im Laufe der Reikibehandlungen vollständig ablegen. Das könnte damit zusammenhängen, dass sie sich etwas von ihrer Mutter distanzieren konnte und somit auf andere Art und Weise ihre Bedürfnisse und Grenzen artikulierte.

Mit dem „Toilettenthema“ in Verbindung stehend ist Annas Verdauung und der damit verbundene Krankenhausaufenthalt zu sehen. Das Mädchen hatte, bevor ich sie kennenlernte, über einen Zeitraum von drei Monaten anhaltende Durchfälle. Als mit den Reikibehandlungen begonnen wurde, verbesserten sich diese zwar, aber die Mutter wollte trotzdem die Ursachen dafür abklären lassen. Sowie das Thema zur Sprache gebracht wurde, drängte sich mir die Vermutung auf, dass die Durchfälle psychosomatischer Art waren, und eine bestimmte Funktion erfüllten. Dies bestätigte sich insofern, als dass die Ärzte nach ausführlichen Untersuchungen keine körperlichen Ursachen ausfindig machen konnten. Letztendlich machten sie Annas hohen Zuckerkonsum für die Durchfälle verantwortlich. Die Umstellung auf eine zuckerärmere Ernährung führte auch zu einer weiteren Verbesserung der Durchfallsymptomatik. Trotzdem tauchte dieses Thema bis zum Projektende immer wieder auf. So äußerte Frau A. zum Beispiel ihre Befürchtung, dass Annas immer noch vereinzelt auftretenden Durchfälle eventuell auf eine Diabeteserkrankung hinweisen könnten. Herr B. sei daran erkrankt, und da die Krankheit meistens eine Generation überspringen würde, sei sie ständig in Sorge, dass ihre Töchter davon betroffen sein könnten. Deshalb ließe sie in regelmäßigen Abständen mit ihren Kindern einen Blutzuckertest durchführen. Da Frau A.s Vater selber ein Testgerät besitzt, kann er den Test bei den Kindern zu Hause durchführen. Anna wehrt sich im Gegensatz zu ihrer Schwester jedoch immer wieder dagegen, so dass Frau A. mit ihr dafür extra zum Arzt muss. Hier ließe sich die Vermutung aufstellen, dass Anna nicht den Bluttest an sich abwehrt, sondern die dadurch deutlich werdende enge Verbindung zwischen dem Großvater und Frau A. ablehnt.

Ein anderes Problem zeigte sich durch die Frage, wer Anna im Krankenhaus besuchen kommen würde. Bei einem Einzelgespräch mit der Mutter, welches an dem Abend vor dem Eingriff stattfand, erklärte sie mir, dass sie am nächsten Tag nicht bei ihrer Tochter sein könne, weil sie arbeiten müsse. Ich versuchte ihr daraufhin nahezubringen, dass es für ein Kind eine äußerst unangenehme Situation sei, bei einem solchen Eingriff ganz alleine zu sein. Sie sah zunächst keine andere Lösung, als ihren eigenen Vater zu bitten, Anna zu besuchen. Ihr Mann blieb dabei außen vor. Letztendlich konnte sie ihren Dienst doch noch tauschen, um bei Anna zu sein. Diese gab später an, dass es ihr gut im Krankenhaus gefallen habe, da sich alle so um sie gekümmert hätten und sie nicht in die Schule musste. Sie wäre gerne noch länger geblieben. Auffallend war, dass Herr A. auch bei allen nachfolgenden schwierigen Situationen immer außen vorblieb. Es erschien fast so, als wenn Frau A. alleinerziehend wäre. Sie wandte sich in Erziehungsangelegenheiten eher an ihre eigenen Eltern, zu denen sie eine sehr enge Bindung hat. Dass die Großeltern eine wichtige Rolle spielen, zeigt auch Annas Verhalten, bei Streitigkeiten mit ihrer Mutter mit der Hinzuziehung ihres Opas zu drohen. Dieser scheint eine Art von „Vaterersatz“ für Anna einzunehmen. An dieser Stelle sei auf die Feststellung von Kilian hingewiesen, der die Probleme, die sich durch eine zu enge Bindung eines Elternteils an die Herkunftsfamilie ergeben können, darin sieht, dass Grenzen oft unklar bleiben, Zuständigkeiten nicht klar geregelt sind und das Kind als Spielball zwischen den Generationen hin- und herspringen muss. Auch Trost sieht die innere Ablösung von den Herkunftsfamilien der Eltern als einen wichtigen Schritt an. Hüther/Bonney bemerken zu der Problematik, dass die ungenügende Abgrenzung zu einer unsicheren emotionalen und pädagogischen Atmosphäre führen kann.

Die Kinder - besonders Anna - mögen Herrn A. nicht und nennen ihn beim Vornamen. Wenn man sich vorstellt, dass dieser (durch seine Arbeitslosigkeit bedingt) die Hauptzeit des Tages mit den beiden Mädchen zu Hause verbringt, die ihn - da er nicht ihr Vater ist - nicht als einen Erziehungsberechtigten ansehen, lassen sich die daraus entstehenden Konflikte erahnen. Herr A. beschwert sich zunehmend bei Frau A. darüber, dass die Mädchen nicht auf ihn hören würden. Anna befolge nur die Dinge, die positiv für sie wären. Als ausschlaggebenden Grund dafür sieht er den Kontakt zu ihrem leiblichen Vater an. Dieser verbringt regelmäßig jeden zweiten Sonntag mit den Mädchen, die sich sehr darüber freuen. Herr Z. ist der Meinung, dass es einen tieferen Grund dafür geben muss, warum Anna so „schwierig“ ist. Dieser müsse gefunden werden. Frau A. erzählte mir, dass Herr Z. angeblich zu Anna gesagt habe, dass sie nicht auf Herrn A. zu hören brauche und er sie nicht schlagen dürfe, weil er nicht ihr Vater sei. Daraufhin forderte Herr A. seine Frau auf, den Kontakt der Kinder zu ihrem Vater zu unterbinden, weil dieser „nur dazwischenfunken würde“. Dies hat Frau A. jedoch nicht getan, weil sie merkt, dass der Vater wichtig für die Kinder zu sein scheint. Trotzdem ist sie durch die Situation sehr verunsichert. Hinzu kommt, dass Herr Z. sich immer mehr in die Angelegenheiten und den Alltag seiner Töchter „einmischt“. Er taucht z.B. des Öfteren bei Freizeitaktivitäten von Anna auf, was diese selber sehr erfreut. Ihre Mutter jedoch würde lieber genauere Absprachen mit Herrn Z. treffen. Eine Situation trieb die Problematik auf die Spitze: Herr Z. wusste von Frau A., dass eine Klassenkonferenz für Anna einberufen wurde. An dieser wollte er als Vater gerne teilnehmen, was Frau A. nicht begrüßte. So rief er im Sekretariat der Schule unter falschem Namen an und erfuhr auf diesem Wege Datum und Uhrzeit der Konferenz. Über dieses Vorgehen regte sich Frau A. sehr auf, da sie sich hintergangen fühlte. Anna bemerkte dazu nur, dass sie die Anwesenheit von Herrn Z. gut gefunden habe, denn „er sei doch schließlich ihr Vater“.

Daran wird deutlich, dass die Rollen der Männer in der Familie in keinster Weise geklärt sind. Saile/Gsottschneider weisen darauf hin, dass hyperaktives Verhalten gehäuft in Familien auftritt, in denen Rollen wenig differenziert sind. Die Position von Herrn A. bezüglich der Kinder ist ebenso unklar wie die Rolle des leiblichen Vaters. Es ließe sich die Hypothese aufstellen, dass Anna mit ihrem Verhalten unter anderem auf diese Problematik hinweist und gleichzeitig von ihr ablenkt. Denn die Mutter ist durch die Sorge um ihre Tochter zu gestresst und überfordert, um sich dem Konflikt zu stellen. Diese Begebenheit unterstützt die Beobachtung von Kilian, der feststellte, dass hyperaktive Kinder in ihrer Familie teilweise die Aufgabe übernehmen, das Beziehungsgleichgewicht wiederherzustellen, indem sie überhöhte innerfamiliäre Spannungen ausleben und damit von dem eigentlich dahinter stehenden Grund ablenken. Leider gelang es mir nicht, Frau A. an diese Thematik näher heranzuführen. Sobald ich versuchte, die Ansprache darauf zu lenken, blockte sie ab.

Das gespannte Verhältnis von Herrn A. und Anna erwähnt sie zwar mehrmals, geht aber nicht weiter darauf ein. Sie meint lediglich, dass Herr A. in der Kindererziehung noch inkonsequenter sei als sie selber.

Bei einem Einzelgespräch mit der Mutter gelangte ich des Weiteren zu der Vermutung, dass Frau A. sich emotional noch nicht vollständig von ihrem früheren Partner getrennt zu haben scheint. Ein offener Prozess des Trauerns und Abschiednehmens scheint nie stattgefunden zu haben. In diesem Sinne könnten Annas Aggressionen als ein Versuch verstanden werden, die nicht ausgelebte Trauer (sowohl ihre eigene als auch die der Mutter) zu verdrängen. Dafür spricht folgende Begebenheit: nachdem Anna im Krankenhaus vor dem Eingriff Beruhigungsmittel gegeben wurden, bekam sie zuerst einen Heulkrampf, der sich danach in starke Aggressionen umwandelte, die sie sowohl gegen die Mutter als auch gegen das Krankenhauspersonal richtete. In diesem Zusammenhang fragte sie vermehrt nach, warum ihr leiblicher Vater nicht anwesend sei. Hier sei die Theorie erwähnt, dass eine nur eingeschränkte seelische Verfügbarkeit des Vaters eine große Bedeutung für die Entwicklung der Verhaltensauffälligkeit spielen kann, und dass es des öfteren in den Familien darum geht, den Verlust einer nahen Bezugsperson zu betrauern. Interessant ist an dieser Stelle ebenfalls die Ansicht Bettelheims, der das anstrengende Verhalten des Kindes als eine Bestrafung für den Elternteil ansieht, der das Kind ablehnt. Das unbewusste Trauma, welches demnach durch eine fehlende emotionale Bindung an eine Bezugsperson entstanden ist und welches das Kind durch sein hyperkinetisches Verhalten abzuwehren versucht, könnte in dem Fall von Anna sehr zutreffend sein. Denn ihr Vater hat sie als Kleinkind ständig abgelehnt, und auch ihre Mutter scheint nicht vollkommen hinter ihr zu stehen.

Weitere Themenbereiche wurden deutlich: Zum einen trat immer wieder der Wunsch auf, noch einmal Baby sein zu wollen (z.B. versuchte Anna sich auf die Wickelkommode zu legen, mit der Aufforderung, dass ich sie wickeln solle). Zum anderen betonte sie mehrmals, dass sie kein Baby mehr sei, sondern schon alles alleine könne. Sie brauche niemals Hilfe von jemandem. In veränderter Variation trat dieses Thema auch im Kontakt zur Mutter auf. Hier stellte sich des öfteren die Frage, wer Kind und wer Erwachsener ist. Ein Beispiel dafür: Frau A. versteckte sich mehrmals unvermittelt, mit der Aufforderung, dass Anna und ich sie suchen sollten. Oder aber Anna sagte ihrer Mutter, welche Aufgaben noch erledigt werden mussten (z.B. Einkaufen für das Wochenende). In diesen Momenten entstand eine klare Umdrehung der Mutter-/Kindrolle. Diese Problematik blieb bis zum Projektende bestehen.

Hüther/Bonney weisen darauf hin, dass es passieren kann, dass Eltern ihren Kindern „Erwachsenenaufgaben“ zuteilen, wodurch die Generationengrenzen zwischen Eltern und Kindern nicht eingehalten werden. Die daraus resultierende Überforderung kann sich bei einem Kind in einer Aufmerksamkeitsstörung äußern.

Ein von Beginn an großes Thema war die Schule. Schon bei der ersten Reikisitzung erzählte Frau A., dass es eine Klassenkonferenz wegen Anna gegeben habe. Auf dieser hätten die Lehrer von Frau A. gefordert, dass sie einen Antrag auf Wechsel zur E-Schule stelle. Sie sei zwar nicht begeistert gewesen, habe dem aber zugestimmt. Durch diese Situation entstand ein Konflikt zwischen Mutter und Tochter, da Anna sich von ihrer Mutter wünschte, dass sie den Antrag zurücknehme. Frau A. jedoch vertrat die Auffassung, dass Anna selbstverantwortlich für die Schulsituation sei und sich demnach nur selber helfen könne. Dadurch entstand ein hoher Druck, den Anna des Öfteren bei den Reikisitzungen ansprach. Sie stellte mir immer wieder Fragen, wie ich früher mit schwierigen Situationen in der Schule umgegangen sei. Nach Beendigung der sechsten Reikisitzung [84] formulierte Anna ihr Vorhaben, sich in der Schule mehr anzustrengen. Tatsächlich fing sie ein paar Tage später mit Nachhilfeunterricht an, den sie zweimal pro Woche bei Bekannten nimmt. Ihre Noten verbesserten sich sofort, was das Mädchen natürlich sehr motivierte und mit Stolz erfüllte. Auch die Hausaufgaben erledigt Anna nun zügiger - teilweise fertigt sie diese sogar schon in der Schule an. Im März 2002 begutachtete eine Pädagogin der E-Schule Anna, doch das Ergebnis dazu steht noch aus. Anna ist der Überzeugung, dass sie nicht auf die ihr verhasste E-Schule kommen wird. Ich hoffe es für sie mit.

Ein weiteres Thema, welches immer wieder auftauchte, war der Konkurrenzkampf der Schwestern um die Gunst ihrer Mutter. Dabei stand die Frage „Wen hat sie lieber?“ im Vordergrund. Als ein Beispiel dafür erzählte Frau A. folgende Situation: Als sie Nora abends ins Bett bringt, platzt Anna herein und schreit ihre Mutter an, dass diese Nora viel lieber mögen würde als sie. Sie hätte schon immer gewusst, dass ihre Mutter sie nicht lieben würde. Daraufhin geht Frau A. zu Anna ins Zimmer, um mit ihr zu reden. Da kommt Nora in den Raum und wirft ihrer Mutter ebenfalls vor, sie weniger zu lieben. Frau A. beteuert zwar beiden, sie gleich lieb zu haben, doch das scheint die Kinder nicht zu überzeugen. Frau A. erzählte, dass es ständig Streit darum gebe, wem sie sich mehr widmen würde. Sobald sie sich zu einem Kind an das Bett setze einem Kind über die Wange streichele, oder ein Kind in den Arm nehme, sei das andere Kind beleidigt und verletzt. Die Mutter meint, dass sie sich nicht zerteilen könne und das Gefühl habe, es keinem der beiden recht machen zu können. Früher sei das nicht so gewesen. Anna habe sich über die Geburt der kleineren Schwester gefreut, und sie hätten von da an alles zusammen mit ihrer Mutter unternommen. Erst als die Kinder älter wurden, sei das Problem aufgetreten.

In einer späteren Sitzung gestand Frau A. sich selber ein, dass es ihr schwer falle, beide Kinder gleich zu behandeln, weil sie so unterschiedlich seien. Nora reagiere immer direkt auf etwas „Gesagtes“, sei gut in der Schule und nach einem Streit nicht so nachtragend. Allgemein sei sie „leichter zu handhaben“ und umgänglicher. Anna hingegen mache nur das, was sie selber wolle, höre nicht auf die Anweisungen der Mutter und drangsaliere ihre Schwester ständig. Dabei sei sie der Meinung, dass ihre Schwester sich ihr gegenüber nicht wehren dürfe. Deshalb tendiert Frau A. bei Streitigkeiten der Geschwister dazu, sich auf die Seite von Nora zu stellen, um sie zu beschützen. Dadurch entstehen natürlicherweise Ungerechtigkeiten. Die Mutter meint, dass sie aus diesen Unterschiedlichkeiten heraus wahrscheinlich Nora bevorzugt behandele. Sie sei jedoch ratlos, wie sie dieses Ungleichgewicht wieder aufheben könne. Die Bevorzugungsproblematik und der Konkurrenzkampf der Schwestern trat an vielen weiteren Punkten auf und stellte sich im Laufe der Zeit als eines der wichtigsten Themen heraus. Während des Behandlungszeitraumes spitzte sich diese Problematik immer mehr zu. Der Großvater der Kinder teilte Frau A. seine Auffassung darüber mit. Er ist der Meinung, dass Frau A. Nora zu oft auf den Arm genommen habe und Anna nicht. Die Mutter verteidigt sich, indem sie auf die starken Gewichtsunterschiede der Mädchen hinweist. Anna sei einfach zu schwer, um hochgenommen zu werden. Anna verdeutlichte schließlich selber „unbewusst“, dass ein Zusammenhang zwischen dem Umgang der Mutter mit den beiden Geschwistern und ihrem Verhalten besteht.

In den Osterferien besuchte Nora für zwei Wochen alleine ihre Oma, und in dieser Zeit zeigte sich Anna zu Hause wie ausgewechselt. Sie war ausgeglichen und ruhig. Doch sobald ihre Schwester wieder da war, traten die alten Schwierigkeiten zu Tage.

Frau A. beschwerte sich des öfteren darüber, dass Anna nur Aufgaben erledige bzw. etwas für andere mache, wenn sie etwas dafür bekomme. Die Mutter ist der Ansicht, dass Anna lernen müsse, etwas zu geben, ohne etwas dafür zu bekommen. Mein Gedanke dazu war, dass Anna eventuell ihr Gefühl des Mangels (an Liebe und Zuwendung) durch materielle Güter sowie Essen zu kompensieren versucht. Zu einem späteren Zeitpunkt wird eine „Erziehungsmethode“ der Mutter erkennbar, die die „materielle Fixierung“ von Anna zusätzlich unwillkürlich verstärkt. Frau A. versucht, Annas Verhalten durch materielle Belohnungen zu steuern - nach dem Satz: „Nur wenn Du brav bist, bekommst du etwas“. In diese Vorgehensweise werden auch die Großeltern mit einbezogen. So lockt z.B. der Großvater mit einer Amerikareise, wenn Anna sich in dem Fach Englisch um drei Noten verbessere. Die Mutter versuchte Anna zum Lernen zu motivieren, indem sie die Anschaffung einer Maus in Aussicht stellte, wenn keine Note schlechter als drei sei. Darauf reagiert Anna jedoch nicht mit dem gewünschten Verhalten. Im Falle der Maus diskutierte sie zunächst mit der Mutter, ob die Bedingung nicht dahingehend umgewandelt werden könnte, dass sie sich weniger mit ihrer Schwester zanke und ihr Zimmer aufräume. Als die Mutter darauf nicht einging, fälschte Anna kurzerhand ihre Unterschrift und kaufte sich die Maus selber. Durch diese Situationen wird deutlich, dass Anna nicht gewillt ist, sich dem oben genannten „Satz“ unterzuordnen - nur wenn sie ihn für sich positiv nutzen kann. Anhand von diesem Beispiel ist zu erkennen, dass Anna die Inkonsequenz ihrer Mutter bemerkt, und diese Tatsache gegen sie ausspielt.

In einem Gespräch gab Frau A. selber an, dass sie sehr unsicher sei, was die Erziehung von Anna betreffe. Dass Mütter von hyperaktiven Kindern vermehrt Unsicherheiten und Selbstkritik in Erziehungsfragen äußern, beobachteten Saile/Gsottschneider bereits 1995. Frau A. meint, dass sie wisse, dass sie oft zu inkonsequent sei, aber wenn sie z.B. abends von der Arbeit nach Hause komme, erlaube sie den Kindern oft mehr, um ihre Ruhe zu haben.

Andererseits versucht sie dieses an anderer Stelle durch harte Strafen (und teilweise auch durch Schläge) wieder „auszugleichen“. Damit stellt sich das Problem eines schwankenden Erziehungsstils, was auch Kilian erwähnt.

Frau A. zeigt selber oft ein impulsives und unbeständiges Verhalten, wodurch die „Erziehungssätze“, die sie versucht an ihre Kinder zu vermitteln, unglaubwürdig werden. Mein Eindruck ist, dass Anna unbewusst die Funktion übernimmt, ihrer Mutter diese Diskrepanz mit ihrem „auffälligen Verhalten“ widerzuspiegeln. So lautet zum Beispiel einer der „Erziehungssätze“: „Wie es in den Wald hineinruft, so schallt es auch hinaus“. Diesen Satz benutzt die Mutter unter anderem dafür, um Anna zu erklären, dass das aggressive Verhalten anderen Kindern gegenüber zu Gegenaggressionen führe, weshalb Anna sich lieber zurückhalten solle. Gleichzeitig zeigt Frau A. gegenüber Anna aber ebenso starke Wutausbrüche, die teilweise in Schlägen enden. Da Eltern für ihre Kinder immer eine Vorbildfunktion einnehmen, kann Frau A. nicht erwarten, dass Anna ihre Aggressionen abbauen kann, solange die Mutter sie selber an ihrem Kind auslebt. Auf diesen Widerspruch macht Anna aufmerksam, indem sie auf die Aggressionen ihrer Mutter ebenfalls mit Aggressionen reagiert, und wo ihre Mutter Unzuverlässlichkeiten bzw. starke Schwankungen zeigt, macht Anna es ihr gleich. Ich versuchte Frau A. diesen Zusammenhang vorsichtig zu vermitteln. Mit der gleichen Problematik ist der Erziehungssatz „Was Du nicht willst, was man Dir tu‘, das füg‘ auch keinem anderen zu“ behaftet.

In diesem Kontext ist auch die Thematik des Aufräumens zu nennen. Frau A. klagt, dass Annas Zimmer immer ein totales Chaos sei. Sie könne das Mädchen nicht dazu bewegen aufzuräumen, weil es Anna selber nicht störe. Zwischendurch räume sie dann schon Mal das Gröbste weg, woraufhin Anna bei Bekannten erzählt habe, dass sie nicht aufzuräumen brauche, weil das ihre Mama erledige. Als letzten Versuch drohte Frau A. schließlich damit, alle Spielsachen, die auf dem Boden lagen, wegzuschmeißen. Aber auch das beeindruckte Anna keineswegs - auch nicht als Frau A. die Androhung durchführte. Das Mädchen wies seine Mutter lediglich darauf hin, dass das Elternschlafzimmer und das Wohnzimmer auch nie aufgeräumt seien. Deshalb würde sie es nicht einsehen, warum sie in ihrem Zimmer Ordnung schaffen solle. Als Frau A. mir dieses vortrug, unterbreitete ich ihr den Vorschlag, dass sie einen Termin veranschlagen könne, bei dem jedes Familienmitglied sein Zimmer aufräumt. Dieses wurde daraufhin mit Erfolg durchgeführt, aber leider schienen Frau und Herr A. nicht in der Lage, diese Struktur langfristig aufrechtzuerhalten. Denn nach ein paar Wochen stellte sich die Frage, wer aufräumt, von neuem. Als die beiden Mädchen den mehrmaligen Aufforderungen ihrer Mutter, die Kinderzimmer in einen ordentlichen Zustand zu bringen, nicht nachkamen, beschloss Frau A. in den Osterferien (in denen Nora nicht zu Hause war), dass Anna beide Zimmer aufräumen müsse. Dagegen wehrte sich Anna verständlicherweise, weil sie nicht einsah, warum sie Noras Zimmer mit aufräumen sollte. An dieser Stelle tritt die „Bevorzugungsproblematik“ wieder hervor. Schließlich führte Frau A. an, dass Anna keinen Besuch mehr empfangen dürfe, wenn sie nicht aufräume. Da eine Freundin von Anna in den Ferien bei ihr übernachten wollte, räumte Anna letztendlich missmutig die beiden Zimmer auf.

Ich führte mit Frau A. intensive Gespräche über die aufgezählten Themen und Konflikte, wobei ich jedoch immer wieder an Grenzen stieß. Das Thema Bestrafung und alternative Vorgehensweisen schien Frau A. dabei besonders am Herzen zu liegen. Sie formulierte die Einsicht, dass Schläge keine Lösung seien, aber dass sie sich oft nicht mehr anders zu helfen wisse [85]. Ich versuchte ihr zu vermitteln, dass Strafen am besten unmittelbar erfolgen, für das Kind nachvollziehbar sind und mit der „Tat“ zusammenhängen. Frau A. bemühte sich, diese Anregung umzusetzen, doch sie verfiel immer wieder in ihre „alten Muster“.

Zu bemerken ist allerdings, dass sich die Sichtweise von Frau A. bezüglich der „Verhaltensauffälligkeiten“ ihres Kindes schrittweise veränderte. Zu Beginn der Reikisitzungen vertrat sie noch die Einstellung, dass nur Anna Probleme habe und deshalb nur ihr geholfen werden müsse. Im Laufe der Zeit gelang es mir, ihr zu verdeutlichen, dass wenn ein Familienmitglied „auffällig“ ist, dieses auch immer etwas mit der gesamten Familie zu tun hat bzw. auf diese wirkt. Ich betonte, dass es dabei in keinem Falle um eine Schuldzuweisung irgendeiner Art gehe. Des Weiteren bestärkte ich Frau A. darin, sich Unterstützung zu holen und etwas für sich zu tun. Unter diesem Aspekt betrachtet, nahm sie letztendlich den Vorschlag, sich ebenfalls mit Reiki behandeln zu lassen, dankbar an.

Interessant dabei war, dass Anna nach ihrem Krankenhausaufenthalt von sich aus ihrer Mutter und mir den Gedanken unterbreitete, dass Frau A. Reiki auch gut tun würde. Im Endeffekt fanden nur zwei Reikibehandlungen mit der Mutter statt, da sie die anderen Termine zu Gesprächen nutzte.

Anna fragte mich in ihrer letzten Reikistunde anklagend, warum ich ihrer Mutter nicht öfters Reiki gegeben hätte. Das Mädchen erklärte mir, dass ihre Mutter immer besser zu ertragen gewesen sei, wenn sie mit Reiki behandelt worden sei.

Im Januar 2002 formulierte Frau A. die Einsicht, dass Anna nicht krank sei, sondern dass sie und Anna sich in ihrem Verhalten gegenseitig bedingen würden. Sie selber sei zu aufbrausend und explodiere zu leicht. Anna sei im Gegensatz zu ihrer Schwester sehr nachtragend und brauche lange, um sich nach einem Streit wieder zu beruhigen. Um „von 180“ wieder „auf normal“ zu kommen, benötige Anna teilweise einen ganzen Tag. Frau A. bemerkte, dass es helfen würde, wenn sie selber gelassener sein könnte, was ihr jedoch nicht leicht falle. Hierzu sei auf die Beschreibung des zirkulären Prozesses hingewiesen, der aufzeigt, dass Kinder und Eltern sich in ihrem Verhalten gegenseitig hochschaukeln.

Aus meinem Eindruck heraus, dass Frau A. dringend einen Gesprächspartner bezüglich Fragen zur Kindererziehung sowie weiterführende Hilfen benötigt, versuchte ich sie zum Ende der Behandlungszeit an die Kontaktaufnahme zu einer Erziehungsberatungsstelle heranzuführen. Frau A. zeigte zunächst große Skepsis, konnte sich aber letztendlich doch dazu entschließen, eine Erziehungs- und Familienberatungsstelle in ihrer Nähe aufzusuchen. Ob dieses Angebot der Familie weiter helfen kann, bleibt abzuwarten.

Um das Projekt abzuschließen, brachte ich den Vorschlag ein, dass wir zu dritt etwas unternehmen könnten. Aus verschiedenen Möglichkeiten suchte sich Anna einen Schwimmbadbesuch aus. Da Frau A. an dem vereinbarten Nachmittag unpässlich war, ging ich mit Anna alleine. Das Mädchen freute sich sehr, etwas mit mir zu unternehmen, und im Verlaufe des Nachmittags sprach sie mehrmals das Ende der gemeinsamen Zeit an. Sie war streckenweise etwas traurig, doch ich hatte den Eindruck, dass uns ein guter Abschied gelang. Das Mädchen äußerte den Wunsch, selber Reiki erlernen zu wollen. Da ich noch nicht die Ausbildung habe, um ihr Reiki beibringen zu können, vereinbarte ich mit ihr, dass ich ihr die Adresse einer Frau zuschicken werde, die Kinder einweiht. Davon war sie sehr begeistert. Als ihre Mutter sie abholte, erzählte sie ihr gleich die Idee. Diese schien wegen den finanziellen Aspekten sehr abgeneigt, doch Anna unterbreitete ihr zugleich den Vorschlag, dass sie sich den Reikikurs zum Geburtstag wünschen könnte. Da Frau A. den Fragebogen, den ich ihr gegeben hatte, vergessen hatte, begleitete ich die beiden noch nach Hause. Frau A. erklärte mir bereits im Vorhinein, dass sie das ganze Wochenende gearbeitet habe und die Wohnung deswegen nicht aufgeräumt sei. Die Familie wohnt in einem Hochhausgebiet, indem sie eine kleine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus gemietet hat. Der Zustand der Wohnung war katastrophal: Es war überall sehr unsauber, vermüllt und teilweise bildete sich in den Ecken schon Schimmel. Die Kinderzimmer erschienen mir noch am „aufgeräumtesten“. Herr A. saß teilnahmslos mit den beiden großen Hunden und Nora in einer kleinen, übelriechenden Küche. Frau A.s Stimmung änderte sich umgehend, sobald sie die Wohnung betreten hatte. Sie war sogleich gestresst und beschwerte sich bei ihrem Mann, dass dieser ihr im Haushalt nicht helfe. Anna drängte ihre Mutter, mir den Fragebogen zu geben, und begleitete mich anschließend zum Bahnhof.

Durch dieses Erlebnis gelange ich zum Abschluss zu folgenden Hypothesen, die meine vorherigen Beobachtungen ergänzen :

- Das „auffällige Verhalten“ von Anna, welches von den Kinder- und Jugendpsychotherapeuten als HKS diagnostiziert worden ist, wird bei dem Mädchen zum größten Teil durch psychosoziale Faktoren hervorgerufen.

- Frau A. ist vollkommen überfordert und flüchtet sich in ihre Arbeit.

- Anna macht durch ihr Verhalten auf familiäre Probleme aufmerksam.

- Es besteht ein verdeckter Konflikt zwischen Herrn und Frau A., der eventuell über Anna trianguliert, d.h. auf sie umgeleitet wird.

3.6. Auswertung

Da es sich um keine empirische Studie handelt, kann diese Auswertung nur unter subjektiven Blickwinkeln der Beteiligten erstellt werden. Erschwerend kommt hinzu, dass es sich bei vielen der zu beurteilenden „Störfaktoren“ um psychische Prozesse handelt, die schwerer zu erfassen sind als körperliche Beschwerden. Ob z.B. ein verletzter Arm gesundet ist, lässt sich leichter feststellen, als ob ein „Heilungsprozess“ bei einem Kind (bzw. einer Familie) mit Schwierigkeiten eingesetzt hat. Deshalb habe ich Frau A. und Anna darum gebeten, mir ihre persönlichen Erfahrungen in Form der schriftlichen Beantwortung einiger Fragen mitzuteilen. Um eine Beeinflussung von Seiten der Mutter bei der Beantwortung der Fragen an Anna zu vermeiden, wurde dem Kind die Möglichkeit gegeben, die Fragen im Anschluss an die letzte Reikisitzung zu beantworten. Nach Beendigung des Projektes traf ich mich zusätzlich mit der Klassenlehrerin von Anna, um ihren Eindruck zu erfragen.

1.) Befragung von Anna, wortwörtliche Abschrift

- Wie fandest Du Reiki?

Manchmal öde manchmal gut! Mir wurde immer ein wenig warm! Ich wäre einmal fast eingeschlafen!

- Hat sich in letzter Zeit etwas verändert (z.B. in der Schule, zu Hause, mit Deiner Schwester...)?

Ja! Das meistens Leute bei mir schlafen dürfen! Mit meiner Schwester nein. Mit der Schule ja. Das ich bessere Noten schreibe. Mit meiner Mutter ja. Sie unternimmt mehr mit mir was!

2.) Befragung der Mutter, wortwörtliche Abschrift

- Wie haben Sie persönlich die Reikibehandlungen empfunden?

Als schöne Möglichkeit zum Entspannen. Danach empfand ich kurze Zeit einen Energieschub, aber gleichzeitig wurde ich müde. Um einen größeren Erfolg zu spüren bräuchte ich wahrscheinlich Reikibehandlungen über einen längeren Zeitraumals ich persönlich genießen konnte.

- Sind Ihnen Veränderungen irgend einer Art in ihrem Leben aufgefallen (seit November 2001)?

Es sind mir seit Nov. 2001 keine gravierenden Veränderungen in unserem Leben aufgefallen, außer daß Anna in Sachen alleine Zug fahren selbständiger geworden ist. Sie ist auch in manchen Sachen selbstbewußter geworden.

- Hat sich das Verhalten ihrer Tochter verändert (z.B. bezüglich Aggressivität, Konzentration, Entspannungs- und Schlafverhalten, in der Schule...)?

Die Agressivität ihrer Schwester gegenüber hat leider zugenommen, uns gegenüber ist sie etwas ruhiger geworden. Was die Konzentration anbelangt konnten wir leider keinerlei Veränderungen feststellen. Anderen gegenüber ist sie immer noch sehr bestimmend und nicht sehr kompromißbereit. Das introvertierte Verhalten, d.h. sie traut sich nicht andere um etwas zu bitten bzw. traut sich nicht ihre Meinung zu äußern hat sich auch nicht gebessert. In der Schule ist es ein Bergauf-Bergab, mal macht sie mit ist ruhig, mal genau das Gegenteil. Was die Entspannungsphasen angeht, legt sie sich in letzter Zeit öfter mal aufs Bett und liest. Zum Einschlafen braucht sie etwas weniger Zeit. Das Durchschlafen ist geblieben bis auf einige Ausnahmen, wenn sie auf die Toilette muß. Danach kommt sie in der Regel in mein Bett. Das war aber auch schon vorher der Fall.

3.) Gespräch mit der Klassenlehrerin von Anna

Nach Abschluss der Behandlungen traf ich mich mit der Klassenlehrerin von Anna (nach Absprache mit Frau A.). Die Lehrerin unterrichtet das Mädchen 16 Schulstunden pro Woche, so dass sie einen guten Überblick über das Schulverhalten von Anna hat.

Auf die Frage, ob sie in den letzten sechs Monaten eine Verhaltensveränderung bei Anna feststellen konnte, gibt sie an, dass eine Verhaltensverschiebung von hoher Aktivität zu Passivität stattgefunden habe. Zu Beginn des Schuljahres fiel Anna besonders dadurch auf, dass sie sich ständig aus dem Unterrichtsgeschehen herauszog, mit der Begründung, dass sie die Toilette aufsuchen müsse. Des Weiteren produzierte das Mädchen durchgängig einen hohen Geräuschpegel während des Unterrichts. Diese beiden Verhaltensweisen sind vollständig zurückgegangen. Seit einiger Zeit beobachtet die Lehrerin nun, dass Anna sich in sich zurückzieht, so dass man das Gefühl habe, „sie wäre gar nicht da“. Anna ist den größten Teil des Unterrichts gedanklich abwesend, und auf Ansprache von außen reagiert sie erschrocken. Teilweise spielt sie mit sich selber oder schreibt Briefe an unbekannte Personen. Allgemein hat sich ihr Interesse von Malen auf Schreiben verschoben. Bei der Erledigung der Hausaufgaben ist eine größere Regelmäßigkeit zu erkennen, doch die Ausführung der Aufgaben ist weiterhin unordentlich und die Heftführung chaotisch. Ein weiteres Problem, welches sich noch vor einem halben Jahr stellte war, dass Anna immer nach Hause wollte und teilweise einfach ohne Abmeldung gegangen ist. Dieses Verhalten hat sie abgelegt und nimmt nun kontinuierlich am Unterricht teil. Trotz ihrer „geistigen Abwesenheit“ haben sich ihre Noten seit ca. zwei Monaten verbessert. Zu der Frage, ob Anna in der Schule aggressiv auftrete, antwortet die Lehrerin, dass Anna keine besonders hohen Aggressionen zeige. Da es in der Klasse nur fünf Mädchen und fünfzehn Jungen gibt, ist es eher so, dass Anna Angst vor der Übermacht der Jungen zeige. Da Anna von Anfang an eine Außenseiterrolle in der Klasse eingenommen hat, wird sie vermehrt Zielscheibe von Aggressionen der Jungen. Wenn Anna selber aggressiv wird, dann nur gegenüber jüngeren Kindern. Die Hypothese der Lehrerin dazu ist, dass Anna ihren Frust an ihnen ablässt. Bei dieser Thematik konnte die Lehrerin keinerlei Veränderungen wahrnehmen, empfand sie jedoch auch nicht als so wichtig.

Sie teilte mir andere Begebenheiten mit, die sich nicht verändert haben, und somit noch immer ein Problem darstellen:

- Anna hat nur eine einzige Freundin in der Klasse; alle anderen Kinder meiden sie (weil sie dreckig in die Schule kommt, und wegen ihres allgemeinen Auftretens); alle Versuche von Seiten der Klassenlehrerin, Anna in die Klassengemeinschaft zu integrieren, sind gescheitert

- Anna versucht alle gegeneinander auszuspielen (die Lehrer untereinander sowie die Klassenlehrerin gegen die Mutter); die Lehrerin hat das Gefühl, dass Anna „ihre Mutter an die Wand spielt“

- die Stimmungen von Anna sind sehr schwankend ebenso wie bei Frau A.

- wenn die Lehrerin die Ansprache auf familiäre Begebenheiten lenkt (z.B. dass Herr A. noch nie an Schulaktivitäten oder Elterngesprächen teilgenommen hat), gehen Frau A. und Anna nicht darauf ein, wörtliches Zitat: „Wenn es um das Eingemachte geht, machen sowohl Mutter wie auch Kind dicht.“

- Anna zeigt immer noch eine große Vergesslichkeit (sie vergisst z.B. oft, Bücher oder Dinge für den Kunstunterricht mit in die Schule zu bringen).

Die Lehrerin teilt mir ihre Einschätzung mit, dass Anna viele Probleme in ihrem Elternhaus hat. Sie ist nicht mehr der Meinung, dass Annas Verhalten so gravierend ist, dass Anna auf die E-Schule muss, doch die Sonderpädagogin, die das Mädchen getestet hat, sieht einen klaren sonderpädagogischen Förderbedarf. Die letzte Entscheidung in dieser Sache werden Herr und Frau A. treffen müssen. Diese Aussagen möchte ich mit meinen gesammelten Beobachtungen und den Bemerkungen, die Frau A. in dem Behandlungszeitraum gegeben hat, zusammengefasst darstellen. Dafür wurden verschiedene Kategorien gebildet, die die zentralen Punkte wiedergeben.


Anhand der Tabelle wird deutlich, welche Aspekte sich im Leben des Kindes seit Beginn der Reikibehandlungen verändert haben. Eine klare Verbesserung ist bei Annas Schlaf- und Entspannungsverhalten eingetreten. Die Beziehung zwischen Frau A. und Anna hat ebenfalls eine positive Veränderung erfahren. Im Gegensatz dazu hat Annas Verhalten gegenüber ihrer Schwester an Aggressivität zugenommen, d.h. der Konkurrenzkampf zwischen den Schwestern spitzt sich zu. Die allgemeine Schulsituation hat sich insofern gewandelt, als dass Anna bessere Noten schreibt und ihre Hausaufgaben regelmäßig erledigt. Interessant dabei ist, dass die Mutter Annas Verhalten in der Schule als ein „Bergauf-Bergab“ beurteilt, was Annas Lehrerin nicht bestätigen kann. Sie sieht eine klare Veränderung bei Anna. Bezüglich der Konzentration wurden verschiedene Beobachtungen gemacht. In den Reikisitzungen war eine Zunahme der Konzentration in den Spiel- und Malsituationen zu erkennen, doch Frau A. stellt zu Hause keinerlei Veränderung fest. Auch die Aussage der Lehrerin, dass Anna im Unterricht gedanklich abwesend sei, und nicht aktiv am Unterrichtsgeschehen teilnehme, kann so gedeutet werden, dass sich die Konzentrationsfähigkeit nicht verbessert hat. Doch stellt sich dann die Frage, wie das Mädchen seine Schulnoten verbessern kann, wenn sich die Konzentration nicht verändert hat.

In Gesprächen mit Frau A. betont sie des öfteren das allgemein aggressive Auftreten ihrer Tochter. In dem gesamten Behandlungszeitraum zeigt sich das Mädchen mir gegenüber in keiner Weise aggressiv. Nur in Interaktion mit der Mutter ist teilweise eine gegenseitige aggressive bzw. gereizte Grundstimmung zu erkennen. Die Lehrerin beschreibt Anna ebenfalls nicht als ein stark aggressives Kind. Da Frau A. bei der Abschlussbefragung lediglich die Aggressionen von Anna gegenüber ihrer Schwester erwähnt, kann keine Aussage über die Entwicklung dieses Punktes getroffen werden. Annas Sozialverhalten hat sich nur bedingt verändert. Im Kontakt zu mir zeigte sie nach den ersten beiden Reikisitzungen keinerlei Auffälligkeiten mehr. Frau A. gibt an, dass das Mädchen in einigen Gebieten selbstständiger und selbstbewusster geworden ist (wie z.B. das Zugfahren). Der Geräuschpegel, den Anna zu Hause und in der Schule ständig produzierte, wird von der Mutter als niedriger empfunden, und die Lehrerin gibt an, dass Anna diese Verhaltensweise in der Schule vollständig abgelegt hat. Ebenso konnte das Mädchen in den Reikisitzungen und in der Schule die „Toilettenproblematik“ loslassen.

Leider sind Annas soziale Kontakte zu anderen Kindern immer noch gering, obwohl sie mittlerweile zwei Freundinnen gewinnen konnte. In der Klasse ist es ihr noch nicht gelungen, die Außenseiterrolle abzulegen.

Da Frau A. einige widersprüchliche Aussagen über das Verhalten ihrer Tochter formuliert, wie z.B. dass Anna anderen Menschen gegenüber sehr bestimmend sei, und sich nicht traue, ihre Meinung zu äußern, konnten diese nicht in die Auswertung mit aufgenommen werden. Zu einigen Problemen, die von Frau A. im Erstgespräch formuliert worden sind, wie z.B. dass Anna ständig lügen und bei Spielen nur schlecht verlieren könne, lassen sich ebenfalls keine eindeutigen Entwicklungsaussagen treffen, da Frau A. dazu keine Stellung mehr bezieht. In den Reikisitzungen konnte ich die benannten Verhaltensweisen bei Anna nicht beobachten.

4. Diskussion

Abschließend stellt sich die Frage, ob Reiki eine sinnvolle Interventionsmöglichkeit bei hyperaktiven Kindern und ihren Familien darstellt. In der Brockhausenzyklopädie lässt sich folgende Definition von Intervention finden:

„allg.: das vermittelnde Eingreifen; Einmischung“ [86].

Wenn man die Reikibehandlungen unter diesem Aspekt betrachtet, wird deutlich, dass die Methode nicht als eine Form von Therapie angesehen werden sollte, sondern als eine Möglichkeit, auf einem sanften Wege positiv in das Leben der Familien mit hyperaktiven Kindern „einzugreifen“.

Anhand der Auswertung wird deutlich, dass sich durch die Reikibehandlungen einige Aspekte im Leben des Kindes verbessern konnten. Von den allgemeinen Wirkungen, die unter Punkt 2.4. dieser Arbeit aufgezählt wurden, sind die meisten bei Anna eingetreten. Auf körperlicher Ebene verminderten sich Anspannungen, und einige energetische Blockaden lösten sich auf. Dies zeigte eine positive Rückwirkung auf Annas allgemeines Entspannungs- und Schlafverhalten. Dazu ist meines Erachtens auch die Einstellung ihres unmotivierten Schreiens zu zählen. Die Theorie besagt des Weiteren, dass durch die Behandlung mit Reiki ein Prozess der sensibleren Selbstwahrnehmung in Gang gesetzt wird, der zu einem Zuwachs des Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten führen kann. Dies scheint bei dem Mädchen ebenfalls eingetreten zu sein, da, wie ihre Mutter bemerkt, Annas Selbstbewusstsein und ihre Selbstständigkeit zugenommen haben. Ob sich Annas Konzentrationsfähigkeit tatsächlich verbessert hat, sei offen gelassen. Zumindestens gelang es Anna, ihre Schulnoten zu verbessern.

Es könnte die kritische Überlegung angestellt werden, ob nicht schon alleine die Zuwendung von meiner Seite und der regelmäßige Kontakt Annas Verhalten in der beschriebenen Art und Weise beeinflusst haben könnten.

Es ist nicht auszuschließen, dass dieser Teilaspekt eine positive Wirkung hervorgerufen hat, aber dass Anna z.B. zu Hause nur deswegen schneller Einschlafen und besser Durchschlafen kann, halte ich für sehr unwahrscheinlich.

Deshalb komme ich zu dem Schluss, dass Reikibehandlungen hyperaktiven Kindern tatsächlich helfen können, mehr ins Gleichgewicht zu kommen.

Klassischer Weise stellt die Behandlung mit Reiki eher eine Form der Einzelarbeit dar, doch bei dem komplexen Problem der Hyperaktivität ist eine umfassende Arbeit mit mehr als einem Beteiligten erforderlich - gerade wenn es sich um Kinder handelt. Die Familienmitglieder gehören alle zu dem „System Familie“, welches sich als Ganzes entwickelt. Deswegen wurde der Versuch unternommen, die Mutter von Anna ebenfalls mit Reiki zu behandeln. Es stellt sich jedoch die Frage, ob dies eine geeignete Interventionsmöglichkeit für die Mutter war, da sie nur zwei von fünf möglichen Behandlungsterminen für Reiki nutzte. Eventuell wäre für die Eltern eher eine Beratung bzw. Gesprächstherapie als Basis angezeigt gewesen, die mit Reiki begleitet worden wäre.

Allerdings möchte ich an dieser Stelle auf den Aspekt der zeitlichen Beschränkung hinweisen. Das Projekt war von Anfang an auf ein halbes Jahr begrenzt. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass in einem so kurzen Zeitraum eine völlige „Neuordnung der Familienstrukturen“ stattfinden kann bzw. sich „alle Probleme lösen lassen“. Das wäre utopisch und auch mit einer anderen Interventionsmethode nicht erreichbar gewesen. Denn die vorhandenen Strukturen und Probleme bzw. energetischen Blockaden haben sich über Jahre hinweg aufgebaut, so dass sie auch einen längeren Zeitraum benötigen, um sich wieder auflösen zu können. Frau A. und Anna wünschten sich eine Weiterführung der Behandlung, doch leider war dies aus zeitlichen und finanziellen Aspekten von meiner Seite nicht möglich. Des Weiteren sei darauf hingewiesen, dass dem Projekt eine gewisse „Künstlichkeit“ innewohnte, da normalerweise die Menschen aus eigenem Antrieb heraus zu einer Reikibehandlung kommen und nicht gezielt von dem Behandler gesucht werden.

Wenn man dieses eine Praxisbeispiel nutzt, um für die Zukunft allgemeine Aussagen bezüglich der Anwendung von Reiki bei hyperaktiven Kindern und ihren Familien zu formulieren, sind folgende Schlussfolgerungen zu nennen:

- Reiki bei hyperaktiven Kindern sollte - wie auch bei anderen Erkrankungen und Störungen- nur dann eingesetzt werden, wenn mögliche körperliche Ursachen im Vorfeld abgeklärt worden sind. Diese Faktoren sollten - wenn nötig - von einem Arzt behandelt werden.

- Für die Eltern kann es sinnvoll sein, eine zusätzliche Interventionsmethode in Anspruch zu nehmen, da in den begleitenden Gesprächen, die bei einer Reikibehandlung stattfinden, eventuell nicht alles bearbeitet werden kann.

- Reiki stellt auch auf diesem Gebiet eher eine ergänzende, d.h. komplementäre Methode dar.

- Da, wie unter Punkt 1.2. bereits erwähnt, die HKS bei Kindern aus Unterschichtfamilien häufiger diagnostiziert wird, stellt sich die Frage nach dem Kostenaspekt. Die Krankenkassen haben Reiki noch nicht als eine erstattungswürdige Methode anerkannt, so dass die Behandlungen privat finanziert werden müssen. Für Familien, die sich in einer schwierigen finanziellen Lage befinden, ist dies jedoch über einen längeren Zeitraum nicht möglich. Dafür müsste noch eine Lösung gefunden werden.

Ich komme zu dem Schluss, dass Reiki zwar eine sinnvolle Interventionsmöglichkeit bei hyperaktiven Kindern und ihren Familien sein kann, aber dass für die „Abrundung“ des Gesundungsprozesses eine umfassende begleitende Elternberatung oder Familientherapie sinnvoll bzw. notwendig erscheint. Hierzu ein Zitat von Hüther/Bonney:

„Aus unserer Erfahrung erscheint gerade in Fällen von ADHS-Konstellationen die Berücksichtigung der Familienumstände unverzichtbar. Nur mit weitgestelltem Blick wird die Verwobenheit des Kindes in das familiäre Gefüge deutlich. Die familientherapeutische Arbeit bestätigt immer wieder, daß Kinder nicht nur ihrer eigenen Bedürftigkeit Ausdruck geben, sondern auch nach Hilfe für ihre mit Konflikten und Schwierigkeiten belasteten Eltern suchen. Sie nehmen es auf sich, schwierig zu sein und Störungen zu zeigen, bis endlich Abhilfe geschaffen wird. Will man Kindern gerecht werden, ist auch die Hilfsbedürftigkeit der Eltern zu berücksichtigen.“ [87]

Da der Mensch im Reikisystem als Ganzheit betrachtet wird, erscheint mir als Zusatz zu der Methode ein Ansatz, der ebenfalls einen ganzheitlichen Blickwinkel einnimmt, am geeignetsten. Ein Beispiel dafür wäre die systemische Familientherapie.

Die Kombination dieser beiden Bereiche könnte sich meiner Meinung nach auf die Menschen sehr positiv auswirken, da Reiki hilft, die therapeutischen Prozesse, die auf der Gesprächs- und Interaktionsebene mit einer Familie erarbeitet worden sind, zusätzlich auf anderen Ebenen zu vertiefen und zu harmonisieren.

Die allgemeine Nachfrage nach Reiki wird mit Sicherheit in der Zukunft weiter zunehmen, doch das Problem ist, dass die Methode nur einen eingeschränkten Wirkungskreis behalten kann, solange die Krankenkassen in Deutschland es nicht als eine adäquate komplementäre Behandlungsmethode ansehen.

Die Hamburger Krankenkasse „securvita“ erwägt bereits, die Kostenübernahme für Reikibehandlungen in ihr Programm mit aufzunehmen. Der Pressesprecher der „securvita“ Norbert Schnorbach erklärte mir in einem Telefonat vom 05.03.02, dass Reiki eindeutig zu den Verfahren gehöre, die positive Wirkungen zeigen, weshalb die Nachfrage bei den Versicherten steige. Die letztendliche Entscheidung über die Rechtsgültigkeit einer solchen Kostenübernahme könne nur der Bundesausschuss Ärzte/Krankenkassen fällen. Dieser Ausschuss hat den offiziellen Auftrag, neue Therapiemethoden zu überprüfen. Zur Zeit sei allerdings eher ein Rückwärtstrend bezüglich der Übernahme von alternativen Heilmethoden zu beobachten, so Herr Schnorbach. Deshalb könne momentan noch keine Aussage bezüglich einer Entscheidung für oder gegen Reiki gemacht werden.

Dieser Prozess wird mit Sicherheit noch eine längere Zeit in Anspruch nehmen, doch es haben sich bereits Organisationen gebildet, die daran interessiert sind, Reiki in das Gesundheitssystem einzuführen. So hat es sich die „Reiki-Foundation e.V.“ z.B. zur Aufgabe gemacht, Reiki in Krankenhäuser und Kliniken zu integrieren. Der 1. Vorstand des Vereins, Satyam S. Kathrein, fasst in seinem neuesten Buch die bisherigen Entwicklungen zusammen. Er bemerkt:

„In Deutschland - sowie auch in Österreich und der Schweiz - stecken wir noch in den Anfängen, was die Reiki-Medizin in Kliniken betrifft. Es gibt aber erste Projekte und Kliniken, die die Behandlung anbieten.“ [88]

Andere Länder sind in diesem Bereich schon wesentlich weiter. In den Vereinigten Staaten existieren z.B. bereits über 100 Krankenhäuser, in denen Reiki als regelmäßige Dienstleistung für die Patienten angeboten wird. [89] Die Aussage von Kathrein ergänzt dies:

„Außerdem wurde in den Krankenhäusern aufgrund der notwendigen Kostenreduzierung erkannt, dass eine nur auf ausgeweitete Medikation und Technologie aufgebaute Krankenhauspolitik an ihre Grenzen stößt. Auch darum unterstützen innovative Krankenhäuser die komplementäre Medizin. So hat die Reiki-Energie-Medizin in vielen Krankenhäusern Amerikas ihren Platz gefunden - nicht zuletzt als kostensparender, natürlicher und sinnvoller Weg, die Versorgung der Patienten zu verbessern“[90].

Es wäre wünschenswert, dass eine solche Entwicklung auch in Deutschland einsetzt. Doch dafür sind vorab wahrscheinlich erst umfangreiche Forschungen auf dem Gebiet nötig, und bevor diese finanziert werden, müssen noch einige „alte Strukturen“ abgebaut werden.

In diesem Sinne beende ich die Diplomarbeit mit einem Zitat von Gerald Hüther, mit dem ich meiner Hoffnung auf Veränderung Nachdruck verleihen möchte:

Wer anders denkt, sieht anders, und wer bisher nicht Geschautes plötzlich zu sehen imstande ist, fängt an, anders zu denken.“ [91]

Literaturverzeichnis

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[1] zit. in: Köckenberger, 2001, S. 75.

[2] vgl. Döpfner/Frölich/Lehmkuhl, 2000, S. 1.

[3] vgl. www. uni-duesseldorf.de/awmf/ll/kjpp-019.htm.

[4] Komorbidität: das gleichzeitige Vorliegen zweier psychischer Störungen bei einer Person.

[5] vgl. Remschmidt/Schmidt/Poustka, 2001.

[6] vgl. Trost, in: Schwarzer/Trost, 1999, S. 101/102.

[7] vgl. www.uni-duesseldorf.de/awmf/ll/kjpp-019.htm.

[8] vgl. Döfner/Frölich/Lehmkuhl, 2000, S. 3.

[9] Fritzner/Stark, 2000, S. 196.

[10] Döpfner/Frölich/Lehmkuhl, 2000, S. 1.

[11] Döpfner/Frölich/Lehmkuhl, 2000, S. 7.

[12] vgl. ebd.

[13] Fritzner, T./Stark, W., 2000, S. 144.

[14] vgl. Trost, 1994, in: Trapmann u.a., S. 204.

[15] vgl. Döpfner/Frölich/Lehmkuhl, S. 19.

[16] vgl. Neuhaus, 1999, S. 40 ff.

[17] ebd.

[18] Döpfner/Frölich/Lehmkuhl, 2000, S. 5.

[19] Holowenka, 1999, S. 21.

[20] vgl. Döpfner/Frölich/Lehmkuhl, 2000, S. 11.

[21] Döpfner/Schürmann/Lehmkuhl, 1999, S. 40.

[22] vgl. Vernooij, 1994, S. 34.

[23] vgl. Steinhausen, 2000, S. 24.

[24] vgl. Döpfner/Schürmann/Lehmkuhl, 1999, S. 39.

[25] vgl. Döpfner/Frölich/Lehmkuhl, 2000, S. 12.

[26] vgl. Köckenberger, 2001, S. 36-39.

[27] vgl. Albert/Horn, 1999, S. 327.

[28] vgl. Hüther/Bonney, 2002, S. 54/55.

[29] Hüther/Bonney, 2002, S. 69.

[30] a.a.O., S. 70.

[31] vgl. Vernooij, 1992, S. 36.

[32] vgl. a.a.O., S. 37.

[33] Vernooij, 1992, S. 36.

[34] vgl. Hüther/Bonney, 2002, S. 84.

[35] vgl. Köckenberger, 2001, S. 47.

[36] Hüther/Bonney, 2002, S. 53.

[37] a.a.O., S. 83.

[38] Psychol., Erz., Unterr., 42. Jg., S. 206.

[39] vgl Kilian, 1989, S. 91.

[40] vgl. Saile/Gottschneider, S. 208.

[41] vgl. Kilian, 1989, S. 93.

[42] vgl. a.a.O., S. 96.

[43] vgl. Saile/Gsottschneider, 1995, S. 218.

[44] in: Trapmann u.a., 1994, S. 208.

[45] in: Trapmann u.a., 1994, S. 216.

[46] vgl. Hüther/Bonney, 2002, S. 99.

[47] vgl. a.a.O., S. 97.

[48] vgl. a.a.O., S. 125.

[49] Hüther/Bonney, 2002, S. 126.

[50] vgl. Döpfner/Frölich/Lehmkuhl, 2000, S. 78/79.

[51] vgl. Döpfner/Frölich/Lehmkuhl, 2000 S. 82.

[52] Döpfner/Frölich/Lehmkuhl, 2000, S. 20.

[53] Aura: den Körper des Menschen umgebendes Energiefeld, siehe auch Kapitel 2.6.

[54] Nach spirituellen Vorstellungen existieren verschiedene Energieebenen - z. B. die grobstoffliche und die feinstoffliche Ebene. In der grobstofflichen Ebene herrscht eine dichte Energieschwingungsfrequenz, so dass die Materie zu sehen ist (wie z. B. der menschliche Körper). In der feinstofflichen Ebene hingegen existiert keine Materie im herkömmlichen Sinne, da die Energiefrequenz dort sehr hoch ist, und somit die „Dinge“ nicht sichtbar sind.

[55] näheres siehe unter Punkt 2.1.

[56] Energiekanäle: Vorstellung eines Kanals, durch den Energie fließen kann, er ist nicht körperlich sichtbar, es handelt sich demnach um einen metaphorischen Begriff.

[57] näheres siehe unter Punkt 2.3.

[58] zit. in: Hilswicht, 1999, S. 39.

[59] vgl. Lübeck/Petter/Rand, 2000, S. 81.

[60] „Meridiane sind... Energiewege, die unseren Körper physisch und seelisch mit Lebensenergie versorgen “ ebd., S. 75.

[61] zur Vertiefung zu empfehlen: Kathrein, 2001, S. 37 ff. ; sowie Sharamon/Baginski, 1997.

[62] Sutren: 2500 Jahre alte heilige tibetische Schriften, die in der altindischen Sanskritsprache verfasst sind.

[63] Lübeck/Petter/Rand, 2000, S. 14.

[64] vgl. Lübeck/Petter/Rand, 2000, S. 23.

[65] siehe Punkt 2.2.

[66] siehe Punkt 2.7.

[67] Simonsohn, 1996, S. 147.

[68] zur Vertiefung zu empfehlen: Kathrein, 2001, S. 119 ff.

[69] vgl. Lübeck/Petter/Rand, 2000, S. 268.

[70] Lübeck/Petter/Rand, 2000, S. 71.

[71] Hüther, 1999, S. 7.

[72] Lübeck/Petter/Rand, 2000, S. 215.

[73] Lübeck/Petter/Rand, 2000, S. 9.

[74] Kathrein, 1997, S. 72.

[75] Voß, 1991, S. 117.

[76] Kathrein, 2001, S. 17.

[77] weiterführende Literatur dazu: von Schlippe/Schweitzer, 2002, S. 130ff.

[78] Hüther, 2001, S. 105.

[79] siehe auch unter Punkt 2.7.

[80] Abkürzung für eine Sonderschulform, die sich auf die Beschulung verhaltensauffälliger Kinder und Jugendlicher spezialisiert; voller Name: Schule für Erziehungshilfe.

[81] vgl. Köckenberger, 2001, S. 185.

[82] vgl. Punkt 3.3. unter „Mein erster Eindruck“.

[83] vgl. Beschreibung der dritten Sitzung vom 04.12.2001.

[84] vgl. Stundenprotokoll vom 29.01. 2002.

[85] vgl Stundenprotokoll vom 05.03.2002.

[86] Brockhaus, 1997, S. 623.

[87] Hüther/Bonney, 2002, S. 130.

[88]Kathrein, 2001, S. 119.

[89] vgl. Lübeck/Petter/Rand, 2000, S. 268.

[90] Kathrein, 2001, S. 120.

[91] Hüther, 1999, S. 87.


Diplomarbeit vorgelegt an der Katholischen Fachhochschule Nordrhein Westfalen,
Abteilung Köln, Studienrichtung Sozialpädagogik

Vorgelegt bei: Prof. Dr. med. Alexander Trost
Co-Korrektor: Prof. Dr. med. M. A. Wolfgang Schwarzer
am: 02.05.2002

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